Sensationeller Nalbandian verhindert Federer-Rekorde

9. Dezember 2005, 10:30
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Argentinier nach dramatischem Fünfsatzmatch Masters-Cup-Sieger - Schweizer nach 35 Siegen in Serie erstmals geschlagen

Shanghai - David Nalbandian hat die stolzen Serien von Roger Federer beendet und erstmals den Masters-Cup der Tennisprofis gewonnen. Der argentinische Wimbledon-Finalist von 2002 setzte sich am Sonntag im dramatischen Finale des mit insgesamt 4,45 Mio. Dollar dotierten ATP-Saisonfinales in Shanghai gegen den Weltranglisten-Ersten aus der Schweiz nach 4:33 Stunden 6:7 (4),6:7 (11),6:2,6:1,7:6 (3) durch.

Federer verpasst Masters-Cup-Hattrick

Für Titelverteidiger Federer, der damit den Masters-Cup-Hattrick verpasste, war es nach 35 Siegen in Serie die erste Niederlage seit dem 3. Juni 2005, als er im Halbfinale der French Open dem späteren Sieger Rafael Nadal aus Spanien unterlegen war. Der Eidgenosse hatte außerdem seit Oktober 2003 (Sieg in der CA-Trophy in Wien) 24 Endspiele en suite für sich entschieden, nachdem er am 13. Juli 2003 in Gstaad gegen den Tschechen Jiri Novak seine bis Sonntag letzte Finalniederlage kassiert hatte. Und in der Halle hatte Federer seit 20. Februar 2004, als er sich im Viertelfinale von Rotterdam dem Briten Tim Henman hatte geschlagen geben müssen, nicht mehr verloren. Auch diese Serie ging nun nach 22 Siegen zu Ende.

Außerdem verpasste der Saisondominator (elf Turniersiege, darunter Wimbledon und US Open) vor knapp 13.000 Zuschauern im Qi-Zhong-Stadion mit der vierten Niederlage in seinem 85. Match auf der ATP-Tour 2005 den Rekord des US-Amerikaners John McEnroe, der im Jahr 1984 mit 82:3 Siegen die weiterhin beste Erfolgsbilanz (96,5 Prozent) der Profi-Ära aufgestellt hat. Geschlagen wurde Federer von einem Mann, der nur auf Grund der zahlreichen Absagen ins Starterfeld in China gerutscht war.

"Lass mir diesen einen Triumph"

"Du hast wie immer ein unglaubliches Match gespielt, Roger. Und nachdem ich dich schon lange kenne, ärgere dich nicht, du wirst noch viele Turniere gewinnen. Lass mir diesen einen Triumph", meinte Nalbandian nach dem extrem spannenden Finale, in dem der Schweizer nach dem Gewinn der ersten beiden Sätzen bereits wie der Sieger ausgesehen hatte. Doch dann drehte der Weltranglisten-Zwölfte gewaltig auf, schaffte den Satzausgleich und lag im entscheidenden Durchgang bereits 4:0 und 30:0 in Front.

Federer, der am vergangenen Sonntag nach einer sechswöchigen Verletzungspause wegen eines Bänderrisses im rechten Knöchel mit einem mühsamen Dreisatzsieg über Nalbandian in der Gruppen-Phase in den Masters Cup gestartet war, bewies jedoch ebenfalls Stehaufmännchen-Qualitäten, fightete zurück und war bei 6:5 und 30:0 bei eigenem Service nur noch zwei Punkte vom Matchgewinn entfernt. Die Entscheidung im Tiebreak brachte dann eine verschlagene Vorhand des Schweizers, der dem Triumphator den Sieg gönnte.

"Ich gratuliere David, dass er nach den zwei Tiebreaks noch zurückgekommen ist, das war sehr schwer. Danach hat er mich dominiert und deshalb am Ende vollkommen verdient gewonnen", betonte Federer und bewies damit, dass er noch immer ein fairer Finalverlierer ist.

Weltrangliste: Nalbandian auf sechs

Nalbandian, der als erster Argentinier seit Guillermo Vilas 1974 und als erst insgesamt zweiter Tennisprofi seines Landes das Saisonfinale gewann, erhielt für den Triumph 1,4 Millionen Dollar Preisgeld und die Schlüssel zu einem neuen Mercedes CLK Cabrio. Außerdem verbesserte er sich in der Weltrangliste um sechs Positionen auf Rang sechs.

Im Head-to-Head heißt es nun 6:4 für Nalbandian, allerdings hatte der 23-jährige Südamerikaner vor Sonntag die bisher letzten vier Duelle mit Federer allesamt verloren und war deshalb als krasser Außenseiter ins Finale gegangen. Durch die Niederlage des Schweizers bleiben der Rumäne Ilie Nastase (1971-73) und der Tscheche Ivan Lendl (1985-87) die einzigen Spieler, die das Masters drei Mal in Serie gewonnen haben. (APA)

Ergebnisse vom ATP-Masters-Cup (4,45 Mio. Dollar) in Shanghai:

Finale:

  • David Nalbandian (ARG-8) - Roger Federer (SUI-1) 6:7 (4),6:7 (11),6:2,6:1,7:6 (3)

    Halbfinale:

  • Roger Federer (SUI-1) - Gaston Gaudio (ARG-7) 6:0,6:0
  • David Nalbandian (ARG-8) - Nikolaj Dawidenko (RUS-5) 6:0,7:5

    Gruppenphase: Rote Gruppe

  • Ljubicic - Coria 6:2,6:3
  • Federer - Nalbandian 6:3,2:6,6:4
  • Federer - Ljubicic 6:3,2:6,7:6 (4)
  • Nalbandian - Coria 7:5,6:4
  • Nalbandian - Ljubicic 6:2,6:2
  • Federer - Coria 6:0,1:6,6:2

    1.  Federer     3  6:3   3:0
    2.  Nalbandian  3  5:2   2:1
    3.  Ljubicic    3  3:4   1:2
    4.  Coria       3  1:6   0:3
    

    Goldene Gruppe:

  • Dawidenko - Agassi 6:4,6:2
  • Gaudio - Puerta 6:3,7:5
  • Dawidenko - Gaudio 6:3,6:4
  • Gonzalez - Puerta 6:3,4:6,6:0
  • Gaudio - Gonzalez 1:6,7:5,7:5

    1. Dawidenko 3  6:0    3:0
    2. Gaudio    3  4:3    2:1
    3. Gonzalez  2  3:3    1:1
    4. Puerta    3  1:6    0:3
    
  • Steckbrief:

    David Nalbandian (Argentinien):
    Geboren: 1. Jänner 1982 in Cordoba
    Größe/Gewicht: 1,80 m/79 kg
    Wohnort: Cordoba/Argentinien
    Schlaghand: rechts (beidhändige Rückhand)
    Profi seit: 2000
    Schläger: Yonex RDX 500
    Bisher beste Weltranglisten-Platzierung: 4 (am 6. Juli 2004)
    Aktuelle Weltranglisten-Platzierung: 6 (ab Montag)
    Größte Erfolge: Masters-Cup-Sieger Shanghai 2005, Wimbledon-Finalist 2002, drei ATP-Turniersiege (Basel und Estoril 2002, München 2005)
    Single-Bilanz: 173:88 (2005: 44:19)
    Karriere-Preisgeld: 5.751.054 Dollar (2005: 2.273.486 Dollar)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      David Nalbandian geht vermutlich unter der Last der Glücksgefühle zu Boden.

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