China ehrt reformerischen Ex-Parteichef erstmals mit Gedenkfeier

22. November 2005, 17:19
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"Historische Errungenschaften" gewürdigt

Peking - Erstmals hat Chinas kommunistische Führung mit einer Gedenkveranstaltung den früheren reformerischen Parteichef Hu Yaobang geehrt, dessen Tod 1989 die später blutig niedergeschlagene Demokratiebewegung ausgelöst hatte. Bei dem "Symposium" in der Großen Halle des Volkes zu Hus 90. Geburtstag hob Vizepräsident Zeng Qinghong die "historischen Errungenschaften" des 1987 unter Druck konservativer Parteikräfte zurückgetretenen Parteichefs hervor. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua und die Abendnachrichten des Staatsfernsehens berichteten über die Feier des Zentralkomitees, an der auch Ministerpräsident Wen Jiabao teilnahm.

Das Gedenken an Hu Yaobang, der als Symbol fortschrittlicher Kräfte gilt, war überschattet von einem Tauziehen mit konservativen Parteiführern, die eine Diskussion über dieses dunkle Kapitel der chinesischen Geschichte fürchten. Anfänglich hatte der neue Staats- und Parteichef Hu Jintao eine größere Trauerfeier geplant, hieß es in Hongkonger Zeitungsberichten. Über die Gründe wurde spekuliert. Einige Beobachter meinten, er suche eine begrenzte Aufarbeitung und wolle seine unbekannte reformerische Seite enthüllen. Andere glaubten, er habe seiner Hausmacht entsprechen wollen, der starken Jugendliga, deren Vorsitz beide Parteichefs jeweils innehatten.

Wie heikel die Situation geworden sei, zeige der Rückzieher, in dem die Zahl der Teilnehmer verringert und der Termin vorgezogen worden sei, so dass Hu Jintao wegen des Asien-Pazifik-Gipfels (APEC) in Südkorea gar nicht teilnehmen konnte, meinten Beobachter. Eine Diskussion über den Reformer Hu Yaobang könnte auch leicht auf seinen im Januar gestorbenen Nachfolger Zhao Ziyang ausgedehnt werden, der vor dem Tian'anmen-Massaker am 4. Juni 1989 wegen seiner Sympathie für die Studentenunruhen gestürzt worden war. In einer erkennbaren Abgrenzung zu Zhao Ziyang, dem damals eine Spaltung der Partei vorgeworfen worden war, sagte Vizepräsident Zeng Qinghong bei der Gedenkfeier, Hu Yaobang sei der Parteilinie gefolgt und habe "sich um die Gesamtsituation" gekümmert. (APA/dpa)

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