Flüchtlingstragödie vor Sizilien: Mindestens neun Tote

20. November 2005, 18:56
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Boot mit rund 200 Insassen bei schwerer See verunglückt

Rom - Vor der Südküste Siziliens ist es am Freitagmorgen zu einem Flüchtlingsdrama gekommen. Wie die Behörden mitteilten, ertranken mindestens neun Menschen, nachdem deren Boot in schwerer See verunglückt war. Mit weiteren Toten wurde gerechnet. Mehr als 160 der aus Nordafrika stammenden Flüchtlinge überlebten. An Bord des 15 Meter langen Holzbootes befanden sich nach Berichten von Überlebenden etwa 200 Menschen.

Das Unglück ereignete sich am frühen Morgen vor der Ortschaft Ragusa, wie ein Sprecher der Hafenbehörde in Catania mitteilte. Wegen schlechten Wetters seien Helfer nicht in der Lage gewesen, das Flüchtlingsboot rechtzeitig zu erreichen. Die neun Ertrunkenen hätten versucht, schwimmend ans rettende Ufer zu kommen. Ihre Leichen seien an Land gespült oder in der Nähe im Wasser treibend gefunden worden.

"Die Bedingungen waren furchtbar", sagte Michele Maltese von der Hafenbehörde im nahe gelegenen Pozzallo. "Die Wellen waren hoch. Man kann sich vorstellen, unter welchen Bedingungen diese Menschen versucht haben, die Küste zu erreichen." Das Boot wurde den Angaben zufolge später leer aufgefunden. Der italienische Fernsehsender Sky TG24 zeigte Bilder von Leichen, die mit Tüchern bedeckt waren und in Särge gelegt wurden. Unter den geborgenen Toten waren laut Behörden zwei Frauen. Trotz der schweren See suchten Helfer noch Stunden nach dem Unglück nach möglichen Überlebenden.

Von wo das Boot gestartet war, war zunächst nicht bekannt. Die Behörden der Mittelmeerinsel Malta hatten am Donnerstagabend die italienischen Stellen darüber informiert, dass das Flüchtlingsboot auf Italien zusteuere. Wegen heftiger Winde und der schweren See konnten die Behörden das Boot jedoch in der Nacht nicht finden. Jährlich versuchen tausende Flüchtlinge aus Nordafrika mit oftmals seeuntüchtigen Booten EU-Territorium zu erreichen. (APA/AP)

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