Vakzinforschung: RNA-Impfstoff aus Wien erfolgreich an Mäusen getestet

20. November 2005, 13:00
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Neues Prinzip kombiniert die Vorteile bisheriger Vakzine: Bessere Wirksamkeit und Sicherheit

Wien - Experten vom Institut für Virologie in Wien haben erstmals den Beweis erbracht, dass eine von ihnen entwickelte RNA-Vakzine bei Mäusen die selbe hohe Schutzwirkung erzielt wie dies mit einem Lebendimpfstoff aus echten Viren der Fall wäre. Die Vakzine ist aber so sicher wie ein Tot-Impfstoff. Dies erklärte der Leiter der Studiengruppe, Univ.-Prof. Dr. Christian Mandl.

Die Fachleute beschäftigen sich seit Jahren mit der Entwicklung von so genannten RNA-Impfstoffen. Dabei wird RNA-Erbsubstanz als Antigen verwendet. Die RNA-Stücke werden auf mikroskopisch kleinen Goldkügelchen fixiert und mit einer "Gene-Gun" zum Beispiel Mäusen injiziert. Bisher verwendeten die Wissenschafter dabei FSME-RNA.

Mandl: "Die Erbsubstanz 'infiziert' ganz wie bei einer normalen Infektion Zellen, die wiederum Viruspartikel bilden." Auf sie reagiert das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion, die gegen eine echte Infektion schützen soll.

Wirkungsweise

Doch verwendet man die normale RNA von Viren, entstehen im geimpften Organismus eben auch infektiöse Viruspartikel. Es kann zu Erkrankungen kommen. Deshalb ist man mit solchen Vakzinen extrem vorsichtig. Andererseits haben Impfstoffe, die über lebende Viruspartikel wirken, gegenüber bloßen Oberflächenbestandteilen von Krankheitserregern etc. (Tot-Impfstoffe) einen wesentlichen Vorteil. Der Wiener Virologe: "Tot-Impfstoffe rufen nur eine Antikörper-Reaktion hervor. Lebend-Impfstoffe führen hingegen auch zur Bildung einer Immunantwort durch das Entstehen von zytotoxischen T-Zellen." Dadurch schützen Lebend-Impfstoffe insgesamt besser und länger vor Infektionen.

Die Fachleute am Institut für Virologie in Wien suchten deshalb nach einer Möglichkeit, die Sicherheit von Tot-Impfstoffen mit der besseren Wirksamkeit von Lebend-Vakzinen durch ihre RNA-Vakzine zu kombinieren. Mandl: "Wir haben die RNA von FSME-Viren modifiziert und aus ihnen große Gen-Stücke herausgenommen. Diese RNA führt zwar noch Replikationsschritte durch und es entstehen nach einer Impfung auch neue Viruspartikel ("Replikons"), diese sind aber nicht infektiös. Sie können keine weiteren Zellen infizieren." Die allerdings trotzdem entstehenden Partikel haben keine eigene Erbsubstanz mehr, sie schauen aber für das Immunsystem genau so aus wie echte Viren. Der Experte: "Da der Impfstoff aber völlig uninfektiös ist, besteht kein Sicherheitsrisiko für den Geimpften."

Geplante Publikation

An Mäusen wurde das Prinzip bereits erfolgreich getestet. In wenigen Wochen erscheint in der international führenden Virologen-Fachzeitschrift "Journal of Virology" eine wissenschaftliche Arbeit, in der Dr. Judith Aberle und Dr. Stephan Aberle vom Institut für Virologie über ihre jüngsten Arbeiten berichten. Sie konnten zeigen, dass die RNA-Impfung bei den Versuchstieren eine Immunantwort wie nach Immunisierung mit einem FSME-Lebendimpfstoff hervorruft.

Die Wiener Experten verwenden die FSME-Viren als Modell. Sie wollen das System in der Entwicklung von Kandidat-Vakzinen gegen Dengue-Fieber- und West-Nil-Virus-Infektionen verwenden. (APA)

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