Wiener Polizei gesteht Ausbildungs-Mängel ein

6. Dezember 2005, 09:18
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Polizei könne bei "einer Million Bürgerkontakten" jährlich nicht jede Amtshandlung "ordentlich abführen"

Wien - Der stellvertretende Wiener Polizeikommandant Karl Mahrer kann die Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation amnesty international über die mangelhafte Ausbildung von Exekutivbeamten "nachvollziehen". "Es gab Mängel und diese Mängel müssen wir aufholen", sagte Mahrer in der Nacht auf Donnerstag in einem "ZiB3"- Studiogespräch mit dem Generalsekretär von ai-Österreich, Heinz Patzelt.

Mahrer warb aber um Verständnis dafür, dass die Polizei angesichts von "einer Million Bürgerkontakten" jährlich nicht jede Amtshandlung "ordentlich abführen" kann. Patzelt stellte dies nicht in Abrede. "Polizisten werden immer Fehler machen, es geht nur darum, wie man mit den Fehlern umgeht."

Der ai-Generalsekretär kritisierte, dass die Polizeiführung für die im Prozess um den Tod des Mauretaniers Cheibani Wague freigesprochenen Beamten auch von disziplinarrechtlichen Konsequenzen abgesehen habe. Der Richter hatte die Freisprüche damals mit der mangelnden Ausbildung der Polizisten begründet, die den Mauretanier am Boden "fixiert" und damit zu dessen Tod beigetragen hatten.

Mahrer betonte, dass die Wiener Polizei eine "hervorragende Ausbildung" habe und gerade im Menschenrechtsbereich als Vorbild für die neuen EU-Staaten gelte. Wenn man aber von Menschenrechtsorganisationen, den Bürgern oder den Beamten selbst entsprechende Rückmeldungen erhalte, "dann ist es unsere Aufgabe, diese hervorragende Ausbildung nachzubessern".

Vorige Woche waren ein Notarzt und ein Polizist im Prozess um den Tod Wagues vom Wiener Straflandesgericht zu je sieben Monaten bedingter Haft wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Fünf weitere Polizisten und drei Sanitäter erhielten Freisprüche. Menschenrechtler kritisierten das in ihren Augen milde Urteil als skandalös. (APA)

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