Schlechtes Zeugnis für Europa als Hightech-Standort

22. November 2005, 11:19
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McKinsey-Studie ortet jedoch ein Potential von vier Millionen Arbeitsplätzen

Europa ist als Hightech-Standort akut gefährdet. Nur noch 17 Prozent der weltweit größten Hightech-Unternehmen kommen derzeit aus Europa. Besonders betroffen sei die Software-Industrie, wo lediglich drei Firmen die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro übertreffen würden. In den USA seien es 14. Zu diesem Schluss kommt der Unternehmensberater McKinsey in einer aktuellen Studie, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt vorgestellt wurde.

Gefahren

"Der europäische Standort ist abgesehen von einigen Erfolgsbeispielen akut gefährdet", sagte Studienautorin Claudia Funke. Dabei müssen auch die Folgewirkungen für andere Industrien wie Automobil, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung beachtet werden. Gründe für die Schwäche seinen eine hohe Fragmentierung des Marktes, ein relativ kleiner Pool an Management-Talenten sowie vergleichsweise niedrige Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E). Jedoch könnten bis zu vier Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn es den Hightech-Unternehmen gelingt, den Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt auf den Durchschnitt anderer Industrieländer (30 Prozent) zu heben.

Zeugen

Der enorme Vorsprung von den USA und Asien manifestiere sich auch in den Ausgaben für F&E. Während 2003 die US-Amerikaner 268 Mrd. Dollar in die Forschung pumpten, waren es in Europa nur 189 Mrd. Dollar. Auch bei den für die Branche wichtigen Patenten liegen die USA mit 50 Prozent mehr angemeldeten Patenen klar voran. Jedoch nicht alle Sparten gingen an die weltweite Konkurrenz verloren. Bei der Luft- und Raumfahrt und der Verteidigungsindustrie konnten sich die Europäer noch behaupten. Acht der 20 erfolgreichsten Unternehmen wie EADS, Thales oder Rolls-Royce stammen aus Europa. Ebenfalls positiv fällt die McKinsey-Analyse für die Mobilfunkbranche aus.

Aufholen

Dringenden Aufholbedarf ortet die Autorin bei Software, Unterhaltungselektronik und bei Halbleitern. Die Zukunftsstrategie der Studie baut auf vier Faktoren auf. Es sei ein Geschäftsmodell notwendig, das auf schnelles Wachstum ausgerichtet ist sowie eine kurzfristig gewinnorientierte Kapitalstruktur, so Funke. Außerdem empfiehlt sie Firmen vermehrt in Talentmanagement zu investieren, um die Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver zu machen. Schließlich gehöre das Unternehmens-Umfeld aktiver gestaltet, etwa durch den Aufbau von Expertennetzwerken und Clustern. Hier sei wieder die USA ein Vorzeigemodell. Während Silicon Valley 300.000 Arbeitsplätze bietet, ist das größte Cluster in Europa mit signifikanter Beteiligung europäischer Firmen im finnischen Oulu mit 58.000 Jobs fünfmal kleiner, erklärte Funke. (pte)

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