Kommentar: Moschee im Dorf lassen

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    Natürlich gibt es auch in Telfs die üblichen Stimmen, die reflexartig von "Provokationen einer fundamentalistischen Minderheit" sprechen

    Bürgerinitiativen, die Unterschriften gegen die Errichtung eines Minaretts sammeln. Anrainer, die im Fall der Erteilung der Baubewilligung mit dem Gang zum Verwaltungsgerichtshof drohen. Eine "Pummerin statt Muezzin"-Kampftruppe, die Heinz-Christian Strache Tränen der Rührung in die Augen treiben muss? Natürlich gibt es auch in der Tiroler Gemeinde Telfs die üblichen Stimmen, die reflexartig von "Provokationen einer fundamentalistischen Minderheit" sprechen und über den Untergang des Abendlandes lamentieren.

    Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die den geringsten Einwurf gegen den Bau reflexartig als Islamfeindlichkeit auszulegen bereit sind. Die christliche Toleranz wird dabei ebenso pompös beschworen wie die Errungenschaften der Aufklärung.

    Doch wenn man das Hickhack um den Bau des "Gebetsturmes" ein wenig näher betrachtet, dann kommen plötzlich ganz alltägliche Probleme zum Vorschein. Immerhin gibt es die Moschee in Telfs an dieser Stelle bereits seit 1998. Und bei ihrer Gründung gab es keinen Aufruhr wie derzeit. Worum sich die Anrainer nach eigenem Bekunden sorgen, sind ihre Parkplätze, wenn wegen des Gebetsturms künftig vermutlich mehr Menschen die Moschee besuchen werden. Andere kritisieren, dass der Bürgermeister keine ausreichende Informationspolitik betrieben habe und die Nachbarn vor vollendete Tatsachen gestellt hätte. Und irgendwann kommt dann schon leise, dass "das alles doch nicht in unseren Kulturkreis passt".

    Sind die Probleme offenbar ganz alltägliche, dann muss der Ansatz auch ein pragmatischer sein. Der Islam ist in Österreich seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft, Muslime haben das gleiche Recht auf die Ausübung ihrer Religion wie Christen. Also sollten Kirche und Moschee im Dorf gelassen werden. (DER STANDARD-Printausgabe 15.11.2005)

    Bettina Fernsebner-Kokert
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