Italien: Kulturkürzungen werden abgemildert

17. November 2005, 19:13
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Regierung Berlusconi reagiert auf heftige Proteste von Kulturminister Buttiglione und Künstler-Streik

Rom - Die Regierung Berlusconi verzichtet auf einen Teil der Einsparungen im Kulturbereich. Die ursprünglich geplanten Einschnitte in diesem Bereich wurden von 164 Millionen auf 85 Millionen Euro halbiert, hieß es im Budgetgesetz, das bereits Grünes Licht vom Senat hat, aber noch von der Abgeordnetenkammer abgesegnet werden muss. Kulturminister Rocco Buttiglione konnte somit seine Rücktrittsforderungen zurückziehen. Er hatte mit seiner Demission gedroht, hätte die Regierung auf einen Großteil der Einsparungen nicht verzichtet, die in Italiens Kulturszene für helle Empörung gesorgt hatten.

Aus Protest gegen Kürzungen der Kulturausgaben hatte sich der Bürgermeister von Venedig, Massimo Cacciari, am Freitagabend zu einer ungewöhnlichen Aktion entschieden: Er unterbrach zum Saisonauftakt im weltberühmten Opernhaus La Fenice den Gefangenenchor der Verdi-Oper "Nabucco". "Wir unterbrechen dies heute, um nicht für immer zu schweigen", riefen Cacciari und einige Mitstreiter.

Streik vor drei Wochen

Sie verwiesen auf die Pläne der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, die Ausgaben für Theater, Kinos, Museen und Opern um bis zu 40 Prozent zu streichen. Das elegante Publikum habe zustimmend applaudiert, berichteten Augenzeugen. Vor drei Wochen hatten die italienischen Künstler gegen die geplanten Einschnitte im Kulturbereich gestreikt.

Einsparungen im Kulturbereich sind für die Regierung von Berlusconi ein Muss. Das Kabinett will bis Ende des Jahres ein Budget mit Maßnahmen in Höhe von 25 Mrd. Euro über die Bühne bringen. Das Defizit soll im kommenden Jahr auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Es liegt damit aber immer noch über dem Maastricht-Kriterium der EU von maximal drei Prozent. Die Europäische Union hat Italien bis 2007 Zeit gegeben, sein Defizit den Richtlinien anzupassen. In diesem Jahr wird ein Defizit von 4,3 Prozent erwartet. (APA)

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