14 Jahre Haft für Überfälle auf Post-Zusteller

13. November 2005, 19:14
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37-jähriger Täter wegen schweren Raubes und absichtlicher schwerer Körperverletzung verurteilt - Fünf Jahre Haft für jugendlichen Komplizen

Wien - Jener Räuber, der zu Jahresbeginn in Wien drei so genannte General-Zusteller der Post überfallen und mit der Tatwaffe - einem rund 45 Zentimeter langen Eisenrohr - teilweise lebensgefährlich verletzt hatte, ist am Freitagabend im Straflandesgericht Wien wegen schweren Raubes in insgesamt vier Fällen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Zwar verneinten die Geschworenen den von Staatsanwalt Peter Losert angenommenen dreifachen Mordversuch und werteten die Schläge des 37-jährigen Liberianers jeweils als absichtliche schwere Körperverletzung.

Mit der verhängten Strafe befand sich das Gericht aber nur um ein Jahr unter der dafür möglichen Höchststrafe. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Erschwerdend war bei der Strafbemessung vor allem die "besondere Brutalität bei der Tatausführung", wie Richter Bernhard Kucera in der Urteilsbegründung ausführte. Auch der Umstand, dass der Mann einen größeren Personenkreis über einen längeren Zeitraum in Furcht und Unruhe versetzt habe, fiel ins Gewicht.

Einige Zusteller und Briefträger waren bis zur Festnahme des Räubers im März nur mehr unter Personenschutz ihrer Arbeit nachgegangen. Über den jugendlichen Komplizen des 1997 nach Österreich gekommenen Mannes verhängte das Schwurgericht fünf Jahre Haft. Der 18-jährige Nigerianer, der den Haupttäter in der Schubhaft kennen gelernt hatte, war in untergeordneter Rolle dabei, als dieser am 30. Dezember 2004 eine Trafik überfiel und am 7. Jänner dann erstmals auf einen Postangestellten losging. Auch dieses Urteil ist schon rechtskräftig.

Der 64-jährige Karl A. wurde von hinten niedergeschlagen, als er in der Quellenstraße in Wien-Favoriten Arbeitslosengeld auszahlen wollte. Schon der erste Schlag brach ihm die Schädeldecke. Als der Postler zu Boden stürzte, führte der 37-jährige Täter laut Anklage noch zwei weitere Hiebe aus. Der lebensgefährlich Verletzte musste wochenlang auf der Intensivstation behandelt werden. Zunächst wurde überhaupt an seinem Aufkommen gezweifelt.

Nach fünf Monaten und fünf Tagen konnte Karl A. das Rehabilitationszentrum verlassen. Inzwischen ist er sogar wieder aktiv im Dienst und stellt auch Geldbeträge zu. Dauerfolgen sind bei ihm laut gerichtsmedizinischem Gutachten keine gegeben. Auch die beiden anderen Zusteller, die mit dem Wasserrohr außer Gefecht gesetzt worden waren, haben sich wieder halbwegs erholt. Der zweite Überfall hatte sich Anfang Februar in der Czerningasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk abgespielt, der dritte Anfang März in der Gudrunstraße in Favoriten. Betroffen waren eine 29-jährige Frau und ein 56 Jahre alter Mann, weil der Täter auf Grund ihres Geschlechts bzw. Alters mit keiner großen Gegenwehr rechnete. (APA)

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