Moslembrüder protestieren in Kairo gegen Wahlfälschung

11. November 2005, 14:51
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40 Festnahmen bei Demonstration

Kairo - Die Polizei hat zwei Tage nach der Parlamentswahl in Kairo bei einer Demonstration 40 Mitglieder der Moslembruderschaft vorübergehend festgenommen. Die Angehörigen der offiziell verbotenen Organisation hatten sich nach den Freitagsgebet zu einer Protestkundgebung versammelt, um die angebliche Fälschung der Ergebnisse der Wahl vom vergangenen Mittwoch anzuprangern. An der Protestaktion nahmen rund 2.000 Ägypter teil. 34 der Festgenommenen wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen noch am gleichen Tag wieder freigelassen.

Nach dem am Donnerstagabend veröffentlichten vorläufigen Ergebnis der ersten Wahletappe konnten sich die Kandidaten der Nationaldemokratischen Partei (NDP) von Präsident Hosni Mubarak 26 Sitze sichern, drei entfielen auf die Moslembrüder, die als Unabhängige angetreten waren. Nur ein weiterer unabhängiger Kandidat siegte. Die Oppositionsparteien erhielten bei den Wahlen in acht Provinzen kein einziges Mandat. Auch der Abgeordnete und Vorsitzende der liberalen Al-Ghad Partei, Ayman Nour, der bei der Präsidentschaftswahl im September mit rund acht Prozent den zweiten Platz hinter Mubarak belegt hatte, bekam keinen Parlamentssitz.

Vorwurf der Wahlfälschung

Die Moslembrüder, die ihren Wahlkampf mit dem Slogan "Der Islam ist die Lösung" geführt hatten, behaupten, die NDP habe das Ergebnis von zwei Wahlbezirken gefälscht. So habe ihr Kandidat Hasim Abu Ismail im Kairoer Stadtteil Dokki gesiegt. Die Wahlkommission habe das Ergebnis der Auszählung jedoch ignoriert und einfach den Sieg der NDP-Kandidatin verkündet.

In den meisten Bezirken hatte kein Kandidat die erforderliche Mehrheit erreicht, so dass am kommenden Dienstag eine Stichwahl stattfinden wird. In den restlichen Provinzen wird in den kommenden Wochen erst gewählt. Mit dem Endergebnis wird in der zweiten Dezemberwoche gerechnet. (APA/dpa)

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