Forschungsprogramme auch für Low- und Midtech-KMU

21. November 2005, 13:45
posten

Förderung für kleinere und mittlere Unter­nehmen sei zu wenig sichtbar und bekannt monieren Experten und betonten Bedeutung der Forschung auch abseits der Hightech-KMU

Wien - Forschungsförderung für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) findet zwar statt, nur sind Förderprogramme zu wenig sichtbar und bekannt, lautete der Tenor einer Expertenrunde, die am Dienstagabend auf Einladung des Verbandes der kooperativen Forschungsinstitute Austrian Cooperative Research (ACR) und des Rats für Forschungs- und Technologieentwicklung (RFT) zum Thema "KMU im Brennpunkt der Innovationsanstrengungen in Österreich" im Platinum Vienna diskutierte.

Einleitend zur "ACR Enquete 2005" setzte sich ACR-Präsident Theo Gumpelmayer dafür ein, dass bei der Forschungsförderung die öffentliche Aufmerksamkeit nicht nur den weit in der Minderheit befindlichen Hightech-KMU gewidmet werde, sondern innerhalb des kommenden 7. Forschungsrahmenprogramms der EU der Weg auch für KMU im so genannten Low- und Midtech-Bereich bereitet werden sollte. Nur so sei es möglich, die großen europäischen Forschungsziele wie das "Lissabon-Ziel" zu erreichen.

Strukturen vorhanden

Die Wichtigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen für die heimische Wirtschaft unterstrich auch der Vorsitzende des Rates für Forschungs- und Technologieentwicklung (RFT), Knut Consemüller. Die Strukturen für erfolgreiche KMU-Innovationstätigkeiten seien jedenfalls gegeben, meinte Consemüller. Auf Grund der großen Nachfrage an Brückenschlagprogrammen wie "Bridge" bestehe der größte Bedarf an Forschungsförderung am Übergang zwischen der Grundlagen- und der Angewandten Forschung. Am stärksten solle nach Meinung des RFT-Chefs in Zukunft der kooperative Sektor gefördert werden.

Für Sonja Sheikh von der KMU Forschung Austria mangelt es in Österreich vor allem an der Sichtbarkeit und Bekanntheit von Förderprogrammen. Für kleine Unternehmen sei es mit hohen Kosten und administrativem Aufwand verbunden, an diesbezügliche Informationen zu kommen und Anträge zu stellen. Über das Innovationsverhalten der KMU gebe es kaum Datenmaterial, so Sheikh, die im Rahmen der von SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal moderierten Diskussionsrunde davor warnte, Innovation mit Forschung & Entwicklung (F&E) gleichzusetzen: "Innovation lässt sich nicht in F&E-Ausgaben ausdrücken." Positiv hob Sheikh die Basisprogramme der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) hervor, die "eine hohe Kontinuität" und "hohe Reichweite" aufweisen würden.

Basisprogramm nutzen

Der in der FFG für Strategie Verantwortliche, Michael Binder, unterstrich, dass 80 Prozent der Kundschaft bei den Basisprogrammen KMU seien. Denselben Prozentsatz habe auch eine Auswertung der Förderansuchen des "Bridge"-Programms ergeben, sagte Binder. "Großes Verbesserungspotenzial" sieht er ebenfalls in der Sichtbarmachung der Förderprogramme.

Franz Salomon, Firmenchef des steirischen Automationsspezialisten Salomon Automation, ortete das größte Problem für KMU bei den Humanressourcen. Nach einem "Exodus vor Jahrzehnten" gebe es nun einen eklatanten Mangel an 35 bis 40-jährigen Führungskräften. Auch seien naturwissenschaftliche Studienzweige heute "nicht mehr chic", so Salomon. Zur Lösung dieser Probleme sei in erster Linie die Politik gefragt.

Laut Rudolf Lichtmannegger, Referent der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), nehmen 1.500 KMU regelmäßig an Förderprogrammen teil. Klaus Schnitzer von der FFG relativierte diese Zahlen umgehend. Ihm zufolge befänden sich etwa 5.000 Firmen als "Grundgesamtheit" in der Datenbank der FFG-Basisprogramme. Allerdings, so Schnitzer, würden nicht alle Firmen jedes Jahr um eine Förderung ansuchen. Darum sei es nötig, Firmen zu einer kontinuierlichen Forschung zu bewegen.

Gemeinsam geht es besser

Wie gelebte Innovation jenseits von Statistiken wie F&E-Aufwendungen funktionieren kann erläuterte im Vorfeld der Diskussion Thomas Lacker, Geschäftsführer der deutschen Introbest GmbH, anhand des von seiner Firma initiierten Projekts "PERFLEX". Mittlerweile sind fünf KMU entlang der Wertschöpfungskette in einem Firmenverband zusammengeschlossen, die über Unternehmensgrenzen hinweg in den Bereichen Wissens- und Informationsmanagement kooperieren sowie untereinander flexible Personalmodelle anwenden. Wie in einem Fischschwarm - darum auch "Schwarmprinzip" genannt - gibt es keine Führungsposition, sondern eine Art "kollektive Intelligenz", die flexibler und effizienter auf immer unregelmäßigere Produktions- und Stillstandzeiten reagieren könnten als Großunternehmen, zeigte sich Lacker überzeugt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für kleine Unternehmen ist es zuweilen mit hohen Kosten und administrativem Aufwand verbunden, an die notwendigen Informationen zu kommen und Anträge zu stellen.

Share if you care.