Deutsche Telekom erneut mit Milliardengewinn und Einkaufsgelüsten

21. November 2005, 13:48
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Trotz des kräftigen Gewinns hatte Europas größter Telekom-Konzern vergangene Woche mit dem Plan zum Abbau von 32.000 Arbeitsplätzen für Aufregung gesorgt -

Bonn - Die Deutsche Telekom hat im dritten Quartal wieder einen Milliarden-Gewinn eingefahren. Der Überschuss betrug gut 2,4 Mrd. Euro nach einem Minus von 1,36 Mrd. Euro im Vorjahresquartal, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Bonn mit. Seit Anfang des Jahres verdiente der Deutsche Telekom-Konzern damit 4,37 Mrd. Euro gegenüber einem Verlust von 150 Mio. Euro ein Jahr zuvor.

Trotz des kräftigen Gewinns hatte Europas größter Telekom-Konzern vergangene Woche mit dem Plan zum Abbau von 32.000 Arbeitsplätzen für Aufregung gesorgt. Vorstandschef Kai-Uwe Ricke erwartet dadurch weitere Einsparungen in Milliardenhöhe. Durch den Jobabbau über die kommenden drei Jahre sollen die jährlichen Kosten vom Jahr 2009 an um 1,7 Mrd. Euro gedrückt werden, geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Präsentation Rickes hervor. Die Kosten dafür werden auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.

Unter anderem die Gewerkschaften kritisierten die Streichungen mit Blick auf die Milliarden-Gewinne scharf. Ricke verweist jedoch darauf, dass der Konzern im harten Wettbewerb die Kosten weiter senken und Überkapazitäten abbauen müsse.

Umsatz erhöht

Im dritten Quartal hat die Deutsche Telekom jedoch ihren Umsatz vorerst weiter erhöht - um 4,8 Prozent auf 15 Mrd. Euro. Das Unternehmen profitierte vor allem von Zuwächsen im Mobilfunk. Die Mobilfunk-Tochter T-Mobile steigerte im dritten Quartal die Zahl der Kunden um 2,2 Mio. Der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 3,7 auf 5,5 Mrd. Euro, teilte der Konzern am Mittwoch in Bonn mit. Analysten hatten einen Umsatz von 14,9 Milliarden Euro, ein bereinigtes EBITDA von 5,4 Milliarden Euro erwartet.

Die Deutsche Telekom bekräftigte ihre Prognose für das Gesamtjahr, wonach im Gesamtjahr ein bereinigtes EBITDA von 20,7 bis 21 Mrd. Euro erwartet wird. Im kommenden Jahr will die Deutsche Telekom 1,2 Mrd. Euro zusätzlich ausgeben, um ihre Marktposition zu verteidigen, hieß es weiter. Dadurch werde der operative Gewinn etwas geringer als 2005 sein. Im Jahr 2007 solle sich die größere Kundenbasis dann wieder in Gewinnzuwächsen niederschlagen.

Ricke hatte mehrfach betont, die Deutsche Telekom werde auch einen zeitweisen Ergebnisrückgang hinnehmen, um Marktanteile gegen den wachsenden Druck der Wettbewerber zu halten.

Offen für weitere Zukäufe

Die Deutsche Telekom zeigt sich offen für Zukäufe in Europa. Sofern dies sinnvoll sei, könnte damit die Präsenz gestärkt werden.

"Wir sind uns der europäischen Herausforderung bewusst - und das nicht erst seit dem Telefonica-Deal", sagte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke auf einer Pressekonferenz. "Deshalb werden wir uns auch weiterhin mit allen Möglichkeiten in unseren Präsenzmärkten in Europa auseinander setzen", so Ricke am Mittwoch in Bonn.

Vor einigen Monaten hatte die Deutsche Telekom den viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieter tele.ring übernommen und damit den Abstand von T-Mobile, schon bisher Nummer zwei am österreichischen Markt, zum Marktführer Mobilkom Austria deutlich verkleinert. Die kartellrechtliche Genehmigung des Deals steht noch aus. Interesse hatte die Deutsche Telekom auch an der Übernahme des britischen Mobilfunkanbieters O2. Er steht nun aber vor der Übernahme durch die spanische Telefónica.

Proteste

Beschäftige der Deutschen Telekom haben unterdessen den Protest gegen den Abbau von 32.000 Stellen im Konzern am Mittwoch fortgesetzt. Am Morgen demonstrierten nach Angaben der Gewerkschaft ver.di 300 bis 400 Mitarbeiter der Festnetz-Tochter T-Com im deutschen Fulda für den Erhalt der Arbeitsplätze. Vor den Betrieben von T-Com und T-Systems in Eschborn und Heusenstamm verteilten Gewerkschafter Flugblätter. Am Mittag wurden 300 bis 400 Beschäftigte von T-Com und Vivento zu einer Kundgebung im Hanauer Kongresspark erwartet.

Die Tochterunternehmen in Österreich - T-Mobile, T-System und T-Online - sind von dem Stellenabbau nicht betroffen. T-Mobile Austria als größtes Unternehmen der Deutschen Telekom in Österreich hat nach der tele.ring-Übernahme eine Beschäftigungsgarantie bis Mitte 2006 abgegeben. Die Garantie gilt sowohl für die bisherigen tele.ring-Mitarbeiter, als auch für das bestehende T-Mobile Austria-Personal - in Summe 2.200 Beschäftigte. Ursprünglich war im Rahmen der Fusion vom Abbau von 200 bis 300 Arbeitsplätzen die Rede gewesen. (APA)

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