Erstes Todesopfer im Großraum Paris

7. November 2005, 18:56
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61-Jähriger zusammengeschlagen und verstorben - Mehr als 1400 Autos in Brand gesteckt - Schulen und Kindertagesstätte in Flammen - Polizisten verletzt, zwei davon durch Schrotkugeln

Paris - Die seit Tagen anhaltenden Unruhen in Frankreich haben ein erstes Todesopfer gefordert. Ein Mann, der während der nächtlichen Ausschreitungen in einem Pariser Vorort am Freitag zusammengeschlagen worden sei, sei am Montag seinen Verletzungen erlegen, teilte das Innenministerium mit. Er habe im Koma gelegen. Einzelheiten nannte das Ministerium am Montag nicht. Der Zeitung "Le Parisien" zufolge war der 61-Jährige vor seinem Haus im nördlichen Vorort Stains von einem Jugendlichen angegriffen worden.

Bürgerkriegsähnlichen Szenen

Ungeachtet eines Regierungsaufrufs zur Rückkehr zu Ruhe und Ordnung verschärften sich die Krawalle am Montag in der elften Nacht in Folge. Augenzeugen berichteten von bürgerkriegsähnlichen Szenen. 36 Sicherheitskräfte wurden verletzt. 1408 Autos gingen in Flammen auf. 395 Menschen wurden festgenommen. Frankreichs Ministerpräsident Dominique de Villepin sollte am Montagabend Maßnahmen für die verarmten Vorstädte der französischen Großstädte bekannt geben. Aus diesen Satellitenstädten, zumeist Einwanderervierteln mit schwieriger Sozialstruktur, kommen die meisten der randalierenden Jugendlichen.

Krawalle ausgeweitet

Die Krawalle haben sich unterdessen auch auf den Osten des Landes ausgeweitet. Nach Behördenangaben gingen in der Nacht in Lothringen, im Elsass und in der Region Franche-Comté nahe der Schweizer Grenze insgesamt fast 200 Autos sowie mehrere Busse und Gebäude in Flammen auf. Neue Krawalle wurden auch aus sozialen Brennpunkten in den Großräumen Lyon sowie Saint-Etienne gemeldet.

Mit Schrotgewehr auf Beamte

Die schlimmsten Krawalle gab es in Grigny südlich von Paris, wo eine Bande von etwa 200 Jugendlichen Polizisten mit Steinen und anderen Wurfgeschoßen angriff. Auch mit einem Schrotgewehr wurde auf die Beamten geschossen. Zwei Polizisten kamen mit Verletzungen in ein Krankenhaus. Insgesamt mehr als 30 Beamte wurden leicht verletzt. Staatspräsident Jacques Chirac hatte am Sonntagabend in seiner ersten Stellungnahme seit Ausbruch der Unruhen die "Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung" zur Priorität der Regierung erklärt. Premierminister Dominique de Villepin kündigte an, die Sicherheitskräfte aufzustocken und Randalierer verstärkt im Eilverfahren vor Gericht zu bringen.

Schulgebäude angezündet

Im Département Seine-Saint-Denis nördlich von Paris brannten am Sonntagabend etwa 50 Autos. In Saint-Etienne setzten Jugendliche zwei Schulgebäude und einen Bus in Brand. Zwei Menschen wurden verletzt. In Lens und in Sete wurden Kirchen angezündet. Das Ausmaß der Schäden war zunächst nicht bekannt. In der Pariser Vorstadt Colombes warfen Jugendliche Steine auf einen Bus. Ein 13 Monate altes Kleinkind wurde mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht. In der Vorstadt Saint-Maurice stand eine Kindertagesstätte in Flammen. Innenminister Nicolas Sarkozy kündigte an, er wolle die verletzten Polizisten im Krankenhaus besuchen.

Aufruf Chiracs "zu spät"

Chiracs Aufruf ist nach Ansicht des sozialistischen Oppositionsführers Francois Hollande "zu spät" gekommen. "Wenn der Präsident zehn Tage wartet, bevor er kurz zu den Franzosen spricht, und wenn der Premierminister noch einen Tag warten muss, um weitere Maßnahmen zu beschließen, so denke ich in der Tat, dass die Regierung nicht das Ausmaß der Ereignisse erfasst hat", sagte Hollande am Montag. Der PS-Chef forderte von der Regierung eine "starke Entscheidung zur Unterstützung der Bevölkerung in den betroffenen Stadtvierteln". Man brauche vor allem "eine Botschaft und Akte der Solidarität", insbesondere dringliche Maßnahmen im Bereich der Schulbildung. (APA/dpa/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Brennende AUtos vor Wohnhaus in Toulouse.

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