Bushs Zeuge für Beschuldigungen gegen Irak war unglaubwürdig

8. November 2005, 10:49
7 Postings

Präsident soll Geheimdienstanalysen ignoriert haben

New York - Die US-Regierung soll ihre Anschuldigungen gegen den Irak im Vorfeld des Krieges unter anderem auf Aussagen eines hochrangigen Al-Kaida-Mitglieds gestützt haben, obwohl dessen Glaubwürdigkeit bereits Monate zuvor in Frage gestand war. Ein Geheimdienst habe bereits im Februar 2002 davor gewarnt, den Aussagen des wenige Monate zuvor gefassten Mitglieds der Extremistenorganisation über Al-Kaida-Trainings im Irak Glauben zu schenken, berichtete die "New York Times" (NYT) am Sonntag.

Der in Pakistan festgenommene Ibn al-Shaick al-Libi habe ausgesagt, der Irak bilde Al-Kaida-Mitglieder im Umgang mit biologischen und chemischen Waffen aus. "Es ist möglich, dass ihm keine weiteren Details bekannt sind; Es ist wahrscheinlicher, dass dieses Individuum die Ermittler vorsätzlich in die Irre führt", zitierte die Zeitung aus einem Bericht, der bis vor kurzem noch als Geheimdokument eingestuft war und dem Blatt von einem US-Senator zur Verfügung gestellt wurde. Der Festgenommene sei mehrere Wochen verhört worden und beschreibe wahrscheinlich Szenarien, die die Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich ziehen sollten, heißt es darin.

Frühester Hinweis

Nach NYT-Informationen ist dies der früheste und eindeutigste Hinweis auf die von den US-Geheimdiensten gehegten Zweifel an den Aussagen des Mannes. Präsident George W. Bush und Vizepräsident Dick Cheney hätten seine Erklärungen jedoch als glaubwürdigen Hinweis darauf beschrieben, dass der Irak Al-Kaida-Mitglieder im Umgang mit illegalen Waffen schule. Sie hätten ihn zwar nicht namentlich zitiert. In einer Rede vom Oktober 2002 hatte Bush jedoch erklärt: "Wir haben erfahren, dass der Irak Al-Kaida-Mitglieder in der Herstellung von Bomben, Giften und Gasen ausbildet".

US-Senator Carl Levin, der den Geheimdienstbericht weitergeleitet hatte, nannte dies einen Beleg dafür, wie die Bish-Regierung Geheimdienstinformationen zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs missbraucht habe. Zudem seien in dem Bericht Zweifel an einer engen Zusammenarbeit des Irak mit Al-Kaida geäußert worden. US-Geheimdienste hatten diese These nie vertreten. Sie war jedoch einer der Pfeiler, auf die sich die Regierung vor ihrem Angriffskrieg stützte.

Laut der Zeitung hätte der Bericht anderen Geheimdiensten, dem Weißen Haus, dem Pentagon und anderen Behörden zur Verfügung gestellt werden müssen. Wer das Dokument erhielt, sei jedoch unklar. Ein Vertreter der US-Regierung wollte zu dem Zeitungsbericht nicht Stellung nehmen. (APA/Reuters)

Share if you care.