Prozess tritt auf der Stelle: Urteil am Mittwoch

9. November 2005, 11:21
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"Kann es sein, dass Leute mit kranken Herzen plötzlich versterben?", fragt der Verteidiger

Wien– Der Prozess zum Erstickungstod des Mauretaniers Seibani Wague tritt (statt der geplanten Urteilsverkündung) noch einen Tag auf der Stelle.

Die Verteidiger der wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen angeklagten sechs Polizisten wollen sich berufsbedingt nicht damit abfinden, dass der tobend psychotische Patient im Stadtpark im "Druckstau", aufgrund der Gewalteinwirkung der ihn mit 100 Kilo Körpergewicht zu Boden drückenden Einsatzkräfte, gestorben sein soll.

Immerhin hatten die Sachverständigen auf den Herzfehler des Afrikaners, auf seine Stresssituation und auf eine Beeinträchtigung durch Haschisch hingewiesen – alles Faktoren, die den Tod mitbeeinflusst oder beschleunigt haben könnten. Die Dialoge zwischen Anwälten und Gutachtern sind dabei mäßig effizient. "Kann es sein, dass Leute mit kranken Herzen plötzlich versterben?", fragt der Verteidiger. "Ja, es kann aber auch sein, dass Menschen mit gesunden Herzen plötzlich versterben", erwidert der Gutachter. "Was ist wahrscheinlicher?", fragt der Anwalt. Und so geht das stundenlang.

Der Gerichtsmediziner hat bei der Obduktion Blutungen des Opfers mit dem Arm- und Beineinsatz dreier Beamter in unmittelbaren Zusammenhang bringen können. Der Intensivmediziner meint, dass auch deutlich weniger Druck auf den Rücken ausgereicht hätte, um den bäuchlings fixierten Patienten umzubringen. Am Mittwoch sollen die Urteile ergehen. (dag, DER STANDARD Printausgabe 5/6.11.2005)

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