Wackelndes Weltkulturerbe

10. November 2005, 19:14
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Sowohl das Elbtal als auch die thüringische Wartburg bangen um ihren Status - Grund sind in beiden Fällen aktuelle Baupläne

Berlin/Dresden - Baupläne im Dresdner Elbtal und bei der thüringischen Wartburg gefährden den Status als Weltkulturerbe der beiden Stätten. Das Dresdner Elbtal muss wegen eines geplanten Brückenbaus um seine erst im Vorjahr erworbene Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes bangen. In einem Brief ans Auswärtige Amt (AA) zeigte sich das Welterbe-Zentrum in Paris besorgt, die Brücke könnte Wert und Integrität der Welterbestätte beeinträchtigen. Das 20 Kilometer lange Dresdner Elbtal gilt erst seit 2004 wegen des besonderen Ensembles aus Barock- und Landschaftsarchitektur und Flusslandschaft als besonders bewahrenswert.

Auch der mehr als 900 Jahre alten Wartburg in Eisenach droht beim Bau eines Windparks die Aberkennung des Titels UNESCO-Weltkulturerbe. Burghauptmann Günter Schuchardt bestätigte am Freitag einen Bericht der Zeitung "Freies Wort" (Suhl). Danach will eine Baugesellschaft in etwa sechs Kilometer Entfernung eine Anlage bauen, die den bisher freien Blick vom Thüringer Wald und der Rhön auf die Wartburg zerstören würde. Die Gemeinde hat gegen zwei Baugenehmigungen Widerspruch beim Verwaltungsgericht eingelegt. Auf der Wartburg hatte sich 1522 der Reformator Martin Luther (1483- 1546) Monate lang versteckt und das Neue Testament ins Deutsche übersetzt.

Nach einem Bericht der "Dresdner Neuesten Nachrichten" soll das Elbtal möglicherweise im kommenden Juni auf die Tagesordnung einer UNESCO-Sitzung gesetzt werden. Dort wird die Aufnahme von gefährdeten Stätten des Welterbes in die "Rote Liste" beraten. Die Liste ist der letzte Schritt vor der Aberkennung des Erbe-Titels. (APA/dpa)

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