Soziologe sieht Radikalisierungsgefahr in Vorstädten

6. November 2005, 19:43
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"Versagen des republikanischen Integrationsmodells"

Paris - Der französische Soziologe Michel Wieviorka befürchtet eine Radikalisierung der Gewalt in den sozialen Problemvierteln französischer Städte. Er beklagt gleichzeitig das "Versagen des republikanischen Integrationsmodells". "Die Situation könnte sich noch weiter verschlimmern, denn die Strukturprobleme der Pariser Vororte gibt es in vielen anderen Städten auch", sagte der Spezialist für städtische Gewalt der französischen Tageszeitung "Le Parisien" (Freitag-Ausgabe).

"Von der Gesellschaft verachtet"

Die Jugendlichen griffen alles an, "was die Institutionen des Staates symbolisiert". "Sie fühlen sich ungerecht behandelt und von der Gesellschaft verachtet. Das ist der Grund für die Ausschreitungen." Wieviorka forderte neue Maßnahmen, um die soziale Solidarität den wirtschaftlichen Realitäten anzupassen. "Das angebliche Modell der republikanischen Integration hat versagt." Kosmetische Erklärungen und ein "x-ter Notplan" für die Vorstädte seien nicht ausreichend.

Randalierer in französischen Vorstädten werden in den Medien des Landes mit Äußerungen zitiert wie: "Das ist erst der Anfang. Wir machen so lange weiter, bis (Innenminister Nicolas) Sarkozy geht", oder "Wir haben es satt, von der Polizei wie Dreck behandelt zu werden." (APA/dpa)

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