Vassilakou: Spekulationen um Schwarz-Grün vorerst beendet

6. November 2005, 20:02
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ÖVP habe versucht, von der FPÖ "das eine oder andere abzukupfern"

Wien - Die Chancen für Schwarz-Grün im Bund sind nach der Wien-Wahl offenbar gesunken: Die Spitzenkandidatin und Klubobfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, hat am Donnerstag im Gespräch mit der APA massive Kritik an der Volkspartei geübt - weil diese sich zu wenig von der FPÖ distanziere, wie sie befand. Vassilakou gestand aber auch eine "Fehleinschätzung" in ihrem eigenen Wahlkampf ein: Die Parolen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache seien zu spät kritisiert worden.

"Ich glaube, das war eine Fehleinschätzung, und zwar nicht nur von mir, sondern von uns allen in der politischen Landschaft", meinte sie. Auch die SPÖ habe Strache ignoriert. "Und die ÖVP hat allenfalls versucht, das eine oder andere abzukupfern", befand Vassilakou.

Es habe sie "regelrecht erschüttert", dass nach dieser Art, wie Strache Wahlkampf geführt habe, beide Großparteien nicht mehr ausschließen wollten, mit der FPÖ zu regieren: "Das ist etwas, was schwere Empörung bei mir auslöst." Spekulationen um Schwarz-Grün seien in ihren Augen "bis auf weiteres beendet", und zwar so lange, bis die ÖVP es schaffe, sich von Strache und dessen Politik abzugrenzen.

"Anzeichen, dass ÖVP noch weiter nach rechts abdriftet"

Sie vernehme in der Bevölkerung "große Empörung" darüber, dass sich etwa ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer vorstellen könne, mit Strache Schwarz-Blau fortzusetzen. Dies seien Anzeichen dafür, dass die ÖVP "noch weiter nach rechts abdriftet". Vassilakou zeigte sich aber auch "irritiert" darüber, dass es in Wien Parteiengespräche zwischen SPÖ und FPÖ gebe.

Ob es - wie bereits nach der Wien-Wahl 2001 - gemeinsame Projekte von SPÖ und Grünen geben wird, ist laut Vassilakou noch offen. Die Gespräche seien im Laufen. Die SPÖ habe etwa großes Interesse an den Grünen Ideen zur Grundsicherung gezeigt. Weitere Projekte könnte es demnach auch in den Bereichen Frauen-, Schul- oder Integrationspolitik geben.

Am kommenden Sonntag findet eine Landesversammlung der Wiener Grünen statt - bei der die Landesliste für die kommende Nationalratswahl erstellt wird. Auch die Wiener Wahl wird dort Thema sein. Vassilakou: "Ich werde dort selbstverständlich das Wahlergebnis ansprechen." Und sie wolle versuchen, aus diesem die eine oder andere Erkenntnis für die Nationalratswahl zu gewinnen. Die Wiener Grünen haben am 23. Oktober 14,63 Prozent der Stimmen erhalten, was zwar ein Plus von 2,18 Prozent darstellt, allerdings den vierten Platz hinter der FPÖ bedeutet.

Eine wichtige Erkenntnisse gebe es schon jetzt. Und zwar, "dass es Sinn macht für die Grünen, sich sehr stark abzugrenzen, zum einen gegenüber der ÖVP und auch gegenüber der SPÖ". Wenn den Grünen vorgeworfen worden sei, dass es ihnen an Kanten und Konturen fehle, dann habe das vielleicht auch damit zu tun, dass das "Koalitionsgerede" der letzten eineinhalb, zwei Jahre die Sicht auf wesentlicherer Dinge verstellt habe - nämlich zu zeigen, wofür die Grünen stünden.

Gegenmodell zur FPÖ

Vassilakou: "Nämlich dass die Grünen die absolute Antipode, das Gegenmodell von dem sind, wofür die FPÖ steht. Das heißt, hier geht es völlig klar auch zu vermitteln, das wir zum einen die Garantie sind für eine weltoffene Gesellschaft und dass wir die einzige Partei sind, die sich niemals eine Zusammenarbeit mit der FPÖ und Strache vorstellen kann."

Doch zunächst gelte es einiges zu erreichen, und zwar den "dritten Platz zu ergattern" und vor der FPÖ zu stehen, betonte Vassilakou. In Wien hat sie ihr Ziel, den zweiten Platz zu erringen und die ÖVP zu überholen, allerdings klar verfehlt. Zu hoch gesteckt sei es darum aber nicht gewesen: "Ich habe schon unmittelbar nach der Wahl gesagt: No Risk, No Fun. Für mich gilt es, das bestmögliche, das denkbar ist, anzustreben. Auch auf die Gefahr hin, dass man es nicht erreicht." (APA)

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    Spekulationen um Schwarz-Grün seien in ihren Augen "bis auf weiteres beendet", meinte die Klubobfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou.

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