Gemeinsam gegen die Vogelgrippe

4. November 2005, 15:15
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USA und China bereiten international koordinierte Maßnahmen vor, um eventuell durch Vogelgrippe ausgelöste Pandemie zu verhindern

Die Angst vor einer durch den Vogelgrippevirus HSN1 ausgelösten weltweiten Epidemie lässt die asiatisch-pazifischen Staaten zur Bekämpfung der Gefahr näher zusammenrücken. Die Bedrohung durch eine Pandemie kommt überall auf die Tagesordnung, vom Apec-Treffen in Seoul am 18. November bis zum Asean-Gipfel in Kuala Lumpur im Dezember.

"Auch Westen endlich alarmiert"

Europa wähnen die Chinesen ein wenig nachhinkend: "Seit erste Fälle die reichen Länder Europas erreichten, zeigt sich auch der Westen endlich alarmiert", schrieb Donnerstag Chinas außenpolitische Zeitschrift Global Leader. Nun aber werden ab Montag in Genf 500 Vertreter internationaler Organisationen und Regierungen eine weltweite Strategie zur Bekämpfung der Vogelgrippe erarbeiten. Die USA nehmen die Gefahr sehr ernst. Beim kommenden Gipfelgespräch zwischen US-Präsident George W. Bush und Chinas Parteichef Hu Jintao wird erstmals die gemeinsame Abwehr einer möglichen Pandemie erörtert, berichten Mitarbeiter des einflussreichen US-Zentrums für Strategische Studien (CIS) in Peking.

CIS-Forscher Bates Gill berichtet von Befürchtungen in den USA, dass China zur "Startrampe einer globalen Seuche" werden könnte. Bush werde bei dem Gipfelgespräch erfahren wollen, wie Chinas Regierung "mit der Gefahr einer grenzübergreifenden Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit umgeht".

Die Regierung gab ihre Antwort bereits. Einen Tag, nachdem Bush beim US-Kongress 7,1 Milliarden Dollar (knapp sechs Milliarden Euro) für eine neue Präventivstrategie gegen das Vogelgrippe-Virus beantragt hatte und verstärkte Zusammenarbeit seines Landes mit der WHO und 88 Nationen ankündigte, trat auch Chinas Staatsrat zur Krisensitzung zusammen.

Zentrale Kontrolle

Premier Wen Jiabao verkündete zwölf Gegenmaßnahmen und gab umgerechnet 166 Millionen Euro dafür frei, ähnlich viel wie einst zur Sars-Bekämpfung. Künftig soll eine Zentralstelle die Ministerien Gesundheit, Agrar, Finanzen und Wirtschaftsplanung koordinieren, um die verstreut aufgetretene Seuche besser unter Kontrolle zu halten.

Die Chinesen versprechen zugleich weltweite Kooperation. Konkrete Absprachen gab es schon mit den USA. Inzwischen wetteifern die zwei Staaten bei der Produktion von Vogelgrippe-Impfstoffen und Medikamenten wie Relenza und Tamiflu. Ein Tamiflu-Bestandteil ist chinesischer Sternanis. Noch vor einem Monat verfaulten in Südwestchina die Anisfrüchte, weil sie zu billig zum Abernten waren. Ihr Preis ist inzwischen um das Zehnfache gestiegen. (DER STANDARD - Printausgabe, 4. November 2005)

Johnny Erling aus Peking
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