FACC: Ton zwischen Androsch und Scharinger verschärft sich

11. November 2005, 14:04
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Androsch ortet "Bruch des Syndikatsvertrags" - Scharinger: "Der Aufsichtsrat hat entschieden"

Wien - Im Streit um die Errichtung eines neuen Werks für den Flugzeugzulieferer FACC hat sich der Ton zwischen den Eigentümergruppen deutlich verschärft. Hannes Androsch, langjähriger Geschäftspartner des Chefs der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ), Ludwig Scharinger, wirft der Gegenseite einen "Bruch des Synikatsvertrags" und "Hasardspiel" vor.

Angelpunkt des Streits ist die Entscheidung des FACC-Aufsichtsrats, ein neues Werk im oberösterreichischen Reichersberg und nicht im steirischen Fohnsdorf zu bauen.

"Scharinger hat bei der Standortentscheidung für das neue Werk des Flugzeugzulieferers FACC den Syndikatsvertrag mit mir gebrochen - jetzt fühle ich mich auch nicht mehr an unseren Syndikatsvertrag bei der Salinen AG gebunden", gibt Androsch in der Donnerstagausgabe der Tageszeitung "Die Presse" zu Protokoll, beteuert aber gleichzeitig, "weiter gesprächsbereit" zu sein.

Großinvestition von bis zu 100 Millionen Euro

Das neue Werk erfordert eine Großinvestition von bis zu 100 Mio. Euro, die Summe solle in unverantwortlich hohem Maß über Fremdkapital erfolgen, sagte Androsch.

Die Androsch-Gruppe, die für die Ansiedlung des Werks in der Steiermark eingetreten war, hatte am 24. Oktober die Abstimmung im Aufsichtsrat gegen eine "oberösterreichische Koalition" der Eigentümervertreter von Fischer-Ski und Raiffeisen-Oberösterreich verloren.

Im "WirtschaftsBlatt" wirft Androsch den FACC-Miteigentümern wegen der starken Fremdfinanzierung einen "unverantwortlichen Hasard" vor. Der Verschuldungdgrad der FACC ("Gearing") liege ohne frisches Kapital bei viel zu hohen 115 Prozent. Neben der Entscheidung für Reichersberg hatte sich der FACC-Aufsichtsrat in Sachen Finanzierung für eine Leasingvariante (angeblich über Raiffeisen-Oberösterreich) entschieden.

Androsch hatte dagegen vorgeschlagen, die beiden Haupteigentümer Salinen AG und die FACC-Miteigentümerfamilie Fischer sollten je fünf Mio. Euro Eigenkapital zur Verfügung stellen ; das Land Steiermark werde sich mit 12 Mi. Euro beteiligen. Damit wäre in der Variante Fohnsdorf die erste Ausbaustufe (45 Mio. Euro) mit rund 50 Prozent Eigenkapital finanziert gewesen.

"Klare Entscheidung"

Die Standortfrage sei bei der letzten Aufsichtsratssitzung "ganz klar entschieden worden", erklärt Ludwig Scharinger dagegen am Mittwoch im ORF-Radio Oberösterreich. Im übrigen schließe die Standortwahl keinen höheren Eigenkapitalanteil bei der Finanzierung aus. "Ich gehe auch davon aus, dass die Fischer-Seite in der Folge fünf Mio. in die Hand nimmt."

Laut einer Unterlage des FACC-Vorstandes bringe das Förderungspaket des Landes Oberösterreich um 4,9 Mio. Euro mehr als jenes der Steiermark, so Scharinger weiter: "Daher musste ich auch am 24. Oktober für Reichersberg stimmen, denn jeder andere Beschluss wäre fahrlässig gewesen."

Wegen der schwierigen Lage in der Luftfahrtbranche müsse die FACC heuer mit einem "beträchtlichen Ertragseinbruch" rechnen, sagte Androsch in der "Presse". In den ersten sieben Monaten 2005 habe das Unternehmen bei 150 Mio. Euro Umsatz einen Betriebsverlust von 4 Mio. Euro einstecken müssen. (APA)

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