Weinfloskel

13. Juli 2006, 17:19
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"Und mit dem Wein kommen Sie zurecht?" - Kolumne von Daniel Glattauer

Die Österreicher verbrauchen im Jahr 2,500.000 Hektoliter Wein. Die Orte, an denen sich der Verbrauch vollzieht, sind vielschichtig (wie die Konsumenten), sie erstrecken sich vom Überlastungsgerinne der Donau, wo vereinzelt noch dem Doppler gefrönt wird, bis hinauf in die gehobene Tiroler Alpingastronomie, in der man Wein aus Kiefernadeln zu gewinnen scheint, so sparsam wird mit den Mengen umgegangen, die man den Gästen zu gesunden Preisen zuzumuten wagt.

Nun, in jüngster Zeit werden wir in ebendiesen Kreisen, in denen jede offene Bouteille von einem eigenen Sommelier überwacht wird, gern auf unser persönliches Verhältnis zum je ausgeschenkten Wein angesprochen. Die Modefrage lautet: "Und mit dem Wein kommen Sie zurecht?" Leserin Eva K. etwa hatte einen Abend lang ein einziges Achtel "Schankwein" vor sich stehen, und alle halbe Stunde fragte der Kellner: "Und mit dem Wein kommen Sie zurecht?" - "Ja, danke, anfangs war er noch ein bisschen kühl und reserviert, aber jetzt taut er so richtig auf." - Ach, hätte sie es nur gesagt, statt lediglich erstaunt zu nicken! So bleibt die Frage des Zurechtkommens weiter unbeantwortet. Man wird sie uns wieder und immer wieder stellen. (DER STANDARD, Printausgabe 31.10./1.11.2005)

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