Rückendeckung für Holtzbrinck nach Verkauf der Berliner Zeitung

4. November 2005, 12:52
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"Bild am Sonntag"-Chefredakteur: "Klares Bekenntnis zum Medium Zeitung"

Nach dem umstrittenen Verkauf des Berliner Verlags hat der Holtzbrinck-Verlag Rückendeckung aus anderen Zeitungsverlagen erhalten.

Der Chefredakteur des Springer-Blattes "Bild am Sonntag", Claus Strunz, sagte am Donnerstag auf den Medientagen in München, er sehe in dem Engagement der Investoren ein klares Bekenntnis zum Medium Zeitung.

Chance, Krise des Zeitungsmarktes zu überwinden

Der Verlagskoordinator bei Hubert Burda Media, Helge-Jörg Volkenand, stellte fest, den Eintritt ausländischer Investoren werde man nicht verhindern können. Er biete vielmehr eine Chance, mit neuen Konzepten die Krise des Zeitungsmarktes zu überwinden.

Ertragskraft verbessern

"Ich hätte es insgesamt besser gefunden, die Zeitung gehörte noch einem deutschen Verlagshaus", sagte der Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Hans Werner Kilz. Er räumte zugleich aber ein, dass sich mit den neuen Eigentümern die Ertragskraft des Verlages verbessern könnte.

"Vielleicht können wir sogar was von denen lernen"

Auch der Herausgeber und Geschäftsführer des "Münchner Merkur", Dirk Ippen, führte aus, grundsätzlich sehe er in ausländischen Investoren nichts Bedrohliches. "Vielleicht können wir sogar was von denen lernen", sagte Ippen mit Blick auf die neuen Eigner des Berliner Verlages.

Der stellvertretende Geschäftsführer der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Michael Grabner, verteidigte den Verkauf. Es sei nicht gelungen, eine zukunftsträchtige Konstruktion in Berlin mit "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung" zu etablieren. Von deutschen Verlagen habe es kein einziges Angebot für die "Berliner Zeitung" gegeben, das nicht auf eine Regionalisierung hinausgelaufen wäre. Das habe Holtzbrinck nicht gewollt. (APA/Reuters)

Holtzbrinck verkaufte den Berliner Verlag, in dem die "Berliner Zeitung" erscheint, an das britisch-amerikanische Finanzkonsortium aus Mecom Group und Veronis Suhler Stevenson (VSS). Die Veräußerung erfolgte auf Druck des Bundeskartellamts, das Holtzbrinck eine marktbeherrschende Stellung in Berlin vorhielt, weil der Verlag dort schon den "Tagesspiegel" herausgibt. Die Käufer betrachten die Akquisition nach eigener Auskunft als langfristiges Investment und wollen den Verlag wirtschaftlich stärken und die redaktionelle Qualität ausbauen. Der erstmalige Verkauf eines deutschen Verlags an ausländische Finanzinvestoren war auf große Kritik gestoßen.

Nachlese

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