"Das Ende des Erdölzeitalters"

7. November 2005, 14:34
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US-Ökonom Rifkin sieht Brennstoffzellen als Zukunft der Energie­ver­sorgung und erwartet von dieser Revolution Millionen von neuen Jobs

Brüssel - Das Zeitalter von Öl als Energieträger ist nach Ansicht des amerikanischen Ökonomen und Zukunftsforschers Jeremy Rifkin vorbei. "Erneuerbare Energie durch Wasserstoff ist die dritte industrielle Revolution.

Sie wird Millionen von Jobs schaffen, um die ganze Infrastruktur in Europa zu verändern", sagte Rifkin am Montag bei einer Pressekonferenz zu einer von der Arbeiterkammer veranstalteten Diskussion über das europäische Sozialmodell in Brüssel.

"Wir werden unsere eigenen Energieproduzenten"

In den nächsten 25 Jahren werde es weltweit mehr als eine Milliarde von mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen zur Stromversorgung geben, prognostizierte der US-Autor. "Das heißt: Wir werden unsere eigenen Energieproduzenten."

Vorbild sei die dezentrale Architektur des Internet. Europa könne bei der Einführung der Wasserstoff-Brennstoffzelle eine führende Rolle übernehmen, da das nötige Kapital und die technologischen Voraussetzungen in der Industrie auf dem Kontinent vorhanden seien.

"Wir stehen vor dem Ende des Erdöl-Zeitalters", sagte Rifkin. Dieses werde voraussichtlich noch durch den globalen Klimawandel beschleunigt, der sich nunmehr "in Echtzeit" vollziehe. Dazu kämen die zunehmenden politischen Spannungen im Nahen Osten, die alle vor dem Hintergrund der Erdöl-Versorgung zu sehen seien.

"Zeit der Massenbeschäftigung ist vorbei"

Rifkin bekräftigte seine These, wonach mit dem gegenwärtigen technologischen Fortschritt und der Automatisierung in der Produktion auch die Zeit der Massenbeschäftigung vorbei sei. Weltweit seien deshalb in den vergangenen sieben Jahren 40 Prozent Arbeitskräfte in der Industrie abgebaut worden.

"Der billigste Arbeiter in der Welt wird nicht so billig sein, wie die intelligente Technologie die ihn ablöst." Diese Entwicklung mache auch vor den aufstrebenden Wirtschaftsräumen in Südostasien nicht halt. "China hat in den vergangenen sieben Jahren 50 Prozent seiner Fabriksarbeiter abgebaut", sagte Rifkin.

"Der Europäische Traum lebt"

Europas soziale und humanitäre Werte haben nach Ansicht des US-Ökonomen noch immer eine Zukunft. "Ich glaube, dass dieser Traum lebt. Er ist schwach und noch nicht ausgereift." Zum ersten Mal könne Europa damit aber eine Vision für die ganze Welt anbieten. Der "Amerikanische Traum" habe dagegen als Gesellschaftsmodell versagt.

So seien die USA seit 1960 in der Statistik der OECD-Staaten von Platz eins auf 24 bei der Einkommensverteilung zurückgefallen. Beide Modelle könnten von einander lernen, so sollte Europa vor allem Eigeninitiative und Risikobereitschaft von den USA übernehmen, sagte Rifkin. "Es geht nicht um Gesetzgebung oder um Brüssel. Was Amerika 200 Jahre lang stark gemacht hat, war ein Traum." (APA)

  • US-Ökonom und Zukunftsforscher Jeremy Rifkin
    foto: der standard/matthias cremer

    US-Ökonom und Zukunftsforscher Jeremy Rifkin

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