Job-Schwemme durch Ende des Erdölzeitalters?

31. Oktober 2005, 15:28
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US-Ökonom Rifkin sieht Energierevolution als Hoffnungsstrahl - "europäischer Traum" könnte amerikanischen ablösen

Brüssel - Das Zeitalter von Öl als Energieträger ist nach Ansicht des amerikanischen Ökonomen und Zukunftsforschers Jeremy Rifkin vorbei. "Erneuerbare Energie durch Wasserstoff ist die dritte industrielle Revolution. Sie wird Millionen von Jobs schaffen, um die ganze Infrastruktur in Europa zu verändern", sagte Rifkin am Montag bei einer Pressekonferenz zu einer von der Arbeiterkammer veranstalteten Diskussion über das europäische Sozialmodell in Brüssel.

In den nächsten 25 Jahren werde es weltweit mehr als eine Milliarde von mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen zur Stromversorgung geben, prognostizierte der US-Autor. "Das heißt: Wir werden unsere eigenen Energieproduzenten." Vorbild sei die dezentrale Architektur des Internet. Europa könne bei der Einführung der Wasserstoff-Brennstoffzelle eine führende Rolle übernehmen, da das nötige Kapital und die technologischen Voraussetzungen in der Industrie auf dem Kontinent vorhanden seien.

Ende einer Ära

"Wir stehen vor dem Ende des Erdöl-Zeitalters", sagte Rifkin. Dieses werde voraussichtlich noch durch den globalen Klimawandel beschleunigt, der sich nunmehr "in Echtzeit" vollziehe. Dazu kämen die zunehmenden politischen Spannungen im Nahen Osten, die alle vor dem Hintergrund der Erdöl-Versorgung zu sehen seien.

Rifkin bekräftigte seine These, wonach mit dem gegenwärtigen technologischen Fortschritt und der Automatisierung in der Produktion auch die Zeit der Massenbeschäftigung vorbei sei. Weltweit seien deshalb in den vergangenen sieben Jahren 40 Prozent Arbeitskräfte in der Industrie abgebaut worden. "Der billigste Arbeiter in der Welt wird nicht so billig sein, wie die intelligente Technologie die ihn ablöst." Diese Entwicklung mache auch vor den aufstrebenden Wirtschaftsräumen in Südostasien nicht halt. "China hat in den vergangenen sieben Jahren 50 Prozent seiner Fabriksarbeiter 'abgebaut'", sagte Rifkin.

... und des amerikanischen Traums?

Europas soziale und humanitäre Werte haben nach Ansicht des US-Ökonomen noch immer eine Zukunft. "Ich glaube, dass dieser Traum lebt. Er ist schwach und noch nicht ausgereift." Zum ersten Mal könne Europa damit aber eine Vision für die ganze Welt anbieten. Der "Amerikanische Traum" habe dagegen als Gesellschaftsmodell versagt. So seien die USA seit 1960 in der Statistik der OECD-Staaten von Platz eins auf 24 bei der Einkommensverteilung zurückgefallen. Beide Modelle könnten von einander lernen, so sollte Europa vor allem Eigeninitiative und Risikobereitschaft von den USA übernehmen, sagte Rifkin. "Es geht nicht um Gesetzgebung oder um Brüssel. Was Amerika 200 Jahre lang stark gemacht hat, war ein Traum." (APA)

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