Papagei in Großbritannien hatte gefährliches H5N1-Virus

4. November 2005, 15:16
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Krtik an Quarantäne- Bestimmungen - Zweiter Vogelgrippe-Herd in Kroatien bestätigt - EU erwägt Importverbot für Wildvögel

London - Nach der Entdeckung des gefährlichen asiatischen Vogelgrippevirus H5N1 in Großbritannien werden die nationalen Quarantäne-Bestimmungen kritisiert. Die britische Chefveterinärin Debby Reynolds sagte nach Berichten vom Montag, Teile der Vorschriften zur Isolierung importierter Vögel müssten überprüft werden. Bei einem in einer Quarantäne-Station verendeten Papagei aus Südamerika war am Sonntag der gefürchtete Subtyp H5N1 der Vogelgrippe nachgewiesen worden. Da der Vogel die Station nicht verlassen hatte, gilt Großbritannien trotz der Entdeckung nach EU-Standards weiter als vogelgrippefrei.

Der Erreger, der bei dem Papagei nachgewiesen wurde, entspricht nach Angaben der Chefveterinärin genau jenem, der bei Enten in China festgestellt worden war. Der Papagei könne sich in der Quarantänestation in Essex bei Wildvögeln aus Taiwan angesteckt haben, die im selben Raum gehalten wurden. Vögel leben nach der Einfuhr in Großbritannien 30 Tage isoliert, bevor sie in die Tierhandlungen kommen. In der Isolierstation in Essex wurden zwei Vogel-Importe aus Amerika und Asien nebeneinander gehalten. Solche Praktiken müssten nun geprüft werden, sagte Reynolds.

Alle der mehr als 300 Vögel in der betroffenen und anderen britischen Quarantänestationen wurden inzwischen getötet. Die Kadaver werden untersucht. Taiwan hatte schon am Sonntag erklärt, die von dort exportierten Vögel seien gesund gewesen. In Großbritannien gingen die Experten am Montag dennoch weiter davon aus, dass der Papagei aus Südamerika sich erst in Großbritannien mit dem Virus aus Asien angesteckt hatte.

Noch keine Bestätigung für H5N1 in Kroatien

In Kroatien ist am Montag ein zweiter Vogelgrippe-Herd bestätigt worden. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums ergaben stichprobenartige Tests an Schwänen, die am Samstag nahe der ostkroatischen Stadt Nasice tot aufgefundenen wurden, dass die Tiere an Vogelgrippe verendeten. Am Freitag waren in Zdenci, etwa 15 Kilometer von Nasice entfernt, Vogelgrippeviren vom Typ H5 an verendeten Schwänen festgestellt worden. Ein britisches Speziallabor soll nun untersuchen, ob es sich dabei um den auch für den Menschen gefährlichen Virusstamm H5N1 handelt.

Um die Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern, wurden nach Behördenangaben in rund drei Kilometern Umkreis um Zdenci bis Montag 10.000 Stück Geflügel geschlachtet. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurde der gesamte Geflügelbestand der Gegend getötet. Alle Zuchtbetriebe seien desinfiziert worden. Außerdem blieben die Quarantänebestimmungen in Kraft. Fälle von H5N1 400 Kilometer südöstlich von Moskau

Im europäischen Teil Russlands sind weitere Fälle des für den Menschen gefährlichen Vogelgrippe-Erregers H5N1 entdeckt worden. Labortests hätten ergeben, dass totes Geflügel in der Region Tambow rund 400 Kilometer südöstlich von Moskau H5N1 enthalten habe, teilte ein Behördenvertreter am Montag mit. Aus Russland wurden seit Mitte Juli bereits mehrere Vogelgrippe-Fälle gemeldet, darunter auch solche mit dem Erreger H5N1.

EU erwägt Importverbot für Wildvögel

Die EU-Kommission erwägt indessen ein Einfuhrverbot für Wildvögel, die in Europa als Haustiere gehalten werden. Das Verbot werde aber nicht mehr am Montag in Kraft treten, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel.

Am Nachmittag will die EU wie angekündigt einen generellen Importstopp für Geflügel aus Kroatien beschließen, sagte der Sprecher. Die Einfuhrbeschränkung werde sich jedoch vorerst nicht auf Geflügelfleisch erstrecken, da es sich bei den betroffenen Fällen in Kroatien um Wildvögel gehandelt habe. Die Kommission begrüße, dass Kroatien am Wochenende von sich aus ein Ausfuhrverbot auf Geflügel verhängt habe.

Für das geplante Importverbot für Wildvögel will die EU-Kommission noch die Diskussion beim EU-Agrarrat am Montag sowie die Stellungnahme der nationalen Veterinärexperten und weitere Informationen aus Großbritannien abwarten. Weitere Testergebnisse zu dem Fall in Kroatien erwartet die EU nach eigenen Analysen "in den nächsten Tagen", sagte der Kommissionssprecher. (APA/AP/dpa/AFP/Reuters)

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