Chef der Deutschen Telekom droht mit Abwanderung

7. November 2005, 13:36
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Ricke warnt vor falscher Regulierungspolitik bei Glasfasernetzen - Prognose 2005 bekräftigt

Frankfurt - Deutsche-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke droht mit einer Abwanderung seines Konzerns ins Ausland für den Fall einer nach seiner Ansicht falschen Regulierungspolitik. "Die Telekom hat viele Plätze in der Welt, wo sie investieren kann", sagte der Chef des einstigen Staatskonzerns dem "Handelsblatt" (Montagausgabe) laut Vorausbericht. Für den angekündigten Ausbau des Glasfasernetzes für drei Milliarden Euro stellte Ricke der Zeitung zufolge die Bedingung, dass die Telekom aus der Regulierung entlassen werde.

"Eine falsche Regulierungspolitik wird dazu führen, dass Deutschland keine Datenautobahn bekommt. Dann gehen in der deutschen Telekommunikationsindustrie in den kommenden Jahren mehr Arbeitsplätze verloren, als durch den technologischen Fortschritt ohnehin wegfallen."

Marktanteil

Die Telekom hatte bei der Internationalen Funkausstellung (IFA) im September angekündigt, bis 2007 rund drei Milliarden Euro in den Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes in Deutschland zu investieren und damit ihrem schrumpfenden Marktanteil im Breitbandgeschäft entgegenwirken zu wollen. Damals hatte Ricke bereits an die Politik und den Regulierer appelliert, für Investitionssicherheit zu sorgen und vom Marktführer nicht zu verlangen, das neue Netz Wettbewerbern zu regulierten Preisen zur Verfügung zu stellen. Die Telekom gehe mit bis zu drei Milliarden Euro in Vorleistung und diese Investition müsse sich auch rechnen. Deshalb brauche sie in diesem neuen Markt stimmige Rahmenbedingungen, und das betreffe besonders den Netzzugang für Dritte.

Neustrukturierung

Ricke bekräftigte in dem Interview außerdem, die Phase der Entschuldung und Neustrukturierung sei bis Jahresende abgeschlossen. "Ab dem kommenden Jahr konzentrieren wir uns verstärkt auf Umsatzwachstum und Wertsteigerung", sagte er. Um die Marktanteile vor allem im Breitbandgeschäft zu halten, werde die Telekom - wenn es darauf ankomme - dem Umsatz Vorrang vor dem Gewinn (Ebitda) geben. Bereits bei der Branchenmesse CeBit im März hatte Ricke einen Strategieschwenk zu profitablem Wachstum angekündigt.

"2005 wird für die Telekom ein sehr erfolgreiches Jahr, in dem wir alle unsere Ziele erreichen werden", sagte der Telekom-Chef zudem. (APA/Reuters)

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