"Nicht auf Biegen und Brechen nach Tulln"

25. Oktober 2005, 14:45
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Boku: Unirat verschiebt erneut Entscheidung über Teilumzug der Universität nach Tulln - Betriebsrat zufrieden: "Haben wieder mehr Zeit bekommen"

Weiterhin keine endgültige Entscheidung gibt es an der Universität Bodenkultur (Boku) darüber, ob Teile der Hochschule von Wien nach Tulln übersiedeln. Am Donnerstag sollte sich der Unirat mit dieser Frage befassen, vertagte seine Entscheidung aber erneut auf Mitte November (derStandard.at/Uni berichtete). Für Betriebsrätin Eva Tutschku ein Anlass zur Freude: "Wir sind froh, dass wir wieder Zeit gewonnen haben", erklärt sie im Gespräch mit derStandard.at/Uni.

Zugestimmt hat der Unirat am Donnerstag am Donnerstag aber dem Entwicklungsplan. Anders als in der ursprünglichen Version, in der der Teilumzug aks Fixpunkt vorgesehen war, wird dieser in der abgesegneten Version nur noch als Option genannt. Ein Erfolg des Senats, freut sich dessen stellvertretender Vorsitzender, Peter Holubar.

Alternativen

Die Skepsis gegenüber Tulln bleibt aber, Betriebsrat und Studierendenvertreter Jürgen Bittner (Bagru/GRAS) fordern von Rektor Hubert Dürrstein Alternativen: "Wir wollen ein ernsthaftes Alternativkonzept, so dass wir nicht auf Biegen und Brechen nach Tulln müssen", fordert Tutschku. "Ohne Alternativen ist eine Diskussion unsinnig", meint auch Jürgen Bittner, Mitglied der studentischen Kurie im Senat.

Holubar nennt die Muthgasse im Wiener 19. Gemeindebezirk als mögliche Alternative, in der bereits Teile der Boku angesiedelt sind. Für Rektor Dürrstein ist dieser Standort aber nicht ausreichend: "Wir sind angewiesen auf Versuchsflächen, und zwar in der Größenordnung von zehn Hektar. Das ist im Stadtzentrum nur schwer zu realisieren." Er sei zwar in ständigen Gesprächen mit der Stadt Wien, die der Boku mit der Muthgasse ein konkretes Angebot vorgelegt habe. Versuchsflächen in der genannten Größenordnung könne man dort aber nicht anlegen, so der Rektor.

Konkret

Die Pläne für Tulln hingegen klingen bereits sehr konkret: "Es liegt eine weitgehend verhandelte Vereinbarung mit dem Land Niederösterreich vor", berichtet Dürrstein. Auch wenn Tulln nur noch als Option im Entwicklungsplan stehe, sei damit "eine gewisse Richtung definiert." Der Unirat habe sich den Vertrag mit Niederösterreich angesehen, es sei aber klar, dass er als Aufsichtsorgan hier noch weitere Fragen stellen würde.

Dass zwar der Unirat vollständig informiert werde, nicht aber der Senat, bedauert dessen Vize-Vorsitzender Holubar. Dass Rektor dem Senat Einsicht in wirtschaftliche Unterlagen verwehre, sei zwar sein gutes Recht, denn lediglich der Unirat müsse in diese Details eingeweiht werden. "Aber der Senat ist das einzig demokratisch gewählte Gremium und vertritt auch die MitarbeiterInnen", betont Holubar. Der Senat habe aber bislang keinerlei Berechnungsunterlagen gesehen.

Kritik

Auch von Seiten des Betriebsrats wird diese Informationspolitik des Rektors erneut kritisiert: "Der Rektor spricht nicht mit dem Forum Boku", was ich sehr bedauerlich finde", so Tutschku. Auch eine von der ÖH initiierte Unterschriftenaktion habe bereits am ersten Tag rund 400 Unterschriften gebracht, was der Forderung nach mehr Informationen Nachdruck verleihe.

Indessen hat auch die Stadt Wien auf die Umzugspläne der Boku reagiert. "Aus meiner Sicht besteht für die Hochschule für Bodenkultur genauso wenig Anlass, Teilbereiche auszusiedeln wie für die Technische Universität Wien", erklärte Vizebürgermeister Sepp Rieder vergangene Woche in einer Aussendung. Die Stadt Wien habe bereits der TU ein "umfassendes Prokjekt" vorgelegt, "dass einen dauerhaftes bleiben möglich macht. Gleiches gilt für die Bodenlultur," betonte Rieder. Ob Rektor Dürrstein dieses Angebot annehme, ist für die Betriebsrätin Tutschku aber fraglich.

Von Sonja Fercher
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    Die Skepsis gegenüber Tulln bleibt , Betriebsrat und Studierendenvertreter Jürgen Bittner (Bagru/GRAS) fordern von Rektor Hubert Dürrstein Alternativen.

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