Raiffeisen-Konrad zornig über Finanzplatz-Miesmache durch Politiker

21. Oktober 2005, 12:06
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Unsinniges Gerede, keine Gefahr für Bankplatz Wien durch Bawag-Kredit" - Konkurrenz schon aktiv: Kundenabwerbe-Aktionen angelaufen

Wien - Dass Politiker, unter ihnen Vizekanzler Hubert Gorbach (BZÖ), nach dem Refco-Kreditdebakel der Bawag den guten Ruf des Finanzstandorts Österreich aufs Spiel gesetzt bzw. gar den Bankplatz Wien gefährdet sehen, empört Raiffeisen-Chef Christian Konrad mächtig.

Der (schwarze) Raiffeisen-Boss verteidigt in einer Mitteilung an die Medien auch die (rote) Gewerkschaftsbank und deren Vorstandschef Johann Zwettler gegen politische Anwürfe im Finale des Wiener Wahlkampfs.

"Das Gerede, dass die Kreditvergabe der Bawag an das US-Wertpapierbrokerhaus Refco eine Gefahr für den Bankplatz Wien darstellen könnte, ist völlig unsinnig", meint Konrad.

"Jahrelange ordentliche Geschäftspolitik"

Die Bawag habe durch jahrelange ordentliche Geschäftspolitik "genügend Risikokapital aufgebaut, um dieses Problem aus eigener Kraft zu bewältigen", erklärte der Raiffeisen-Generalanwalt zur aktuellen Bawag-Kreditaffäre.

"Natürlich" müsse der Fall von der Aufsicht und anderen zuständigen Gremien eingehend geprüft und aufgeklärt werden. Es wäre, so warnt Konrad, "aber völlig falsch und äußerst schädlich, dieses Thema für den Wahlkampf zu missbrauchen". Er warnt auch vor Vorverurteilungen.

Konrad "relativierte" in seiner Aussendung am Donnerstag Vorwürfe gegen Bawag-Chef Zwettler, den er seit vielen Jahren als erfolgreichen und umsichtigen Manager kenne.

"Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann man auch im Bankgeschäft vorsätzlichen Betrug nie ganz ausschließen. "Man sollte im Fall Bawag und Refco in aller Ruhe die weitere Entwicklung und damit tatsächliche Schadenshöhe abwarten".

Konkurrenz keilt Bawag-Kunden

Bawag-Mitarbeiter sprachen gegenüber der APA heute besorgt über Geldabhebungen, auch mancher großer empörter Kunden. Und dass einige Konkurrenzbanken bereits aktiv Kunden "keilten".

Nach APA-Informationen bekamen Erste Bank-Kunden mit Zweitkonto bei der Bawag heute früh Anrufe, ob sie nicht ganz zur Erste Bank wechseln wollten.

Erste Bank-Vorstand Reinhard Ortner ist nach eigenen Angaben von derartigen Schwerpunkt-Aktionen gegen die "Nachbarn" nichts bekannt. "Wir sind auch nicht die ersten Verdächtigen für abwanderungswillige Bawag-Kunden", sagte Ortner am Rande der Gewinn-Messe. "Wir 'wohnen' zwar vis-a-vis, aber dass wir die Geier ausschicken über den Tuchlauben, bezweifle ich schon". (APA)

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    foto: der standard
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