Wiener Wählerfang, andersrum

18. Oktober 2005, 17:48
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Hosi: Fünf bis zehn Prozent der WahlerInnen sind homosexuell

Wien – Immerhin gehe es um "rund fünf bis zehn Prozent aller Stimmen", gibt Kurt Krickler, Generalsekretär der Homosexuelleninitiative (Hosi) Wien, zu bedenken. Um fünf Prozent aller "eingesessenen" Wienerinnen und Wiener, die – wie im Bevölkerungsdurchschnitt sonst auch – gleichgeschlechtlich lieben. Dazu noch jene zahlreichen Lesben und Schwulen, die es "aus den Bundesländern in die liberale Großstadt zieht".

Kein Wunder also, dass die Parteien die Zielgruppe als solche erkannt hätten und bereit seien, über deren Anliegen mitzudiskutieren. "Noch im vorvorletzten Wahlkampf wäre das Podium nicht so gut besetzt gewesen", stellte Hosi- Obmann Christian Högl zu Beginn der Podiumsdiskussion "Wien wählt warm" fest.

Ins wohlfrequentierte Wiener Hosi-Zentrum gekommen waren sechs Parteienvertreter. Fünf von ihnen – SPÖ, Grüne, KPÖ, ÖVP und BZÖ – zeigten sich, mehr oder weniger nachhaltig, schwul-lesbischen Forderungen gegenüber nicht verschlossen. Nur FP-Landtagsabgeordneter Harald Stefan bestand darauf, "gesellschaftliche Akzeptanz" als rein lesbisch-schwule Holschuld zu betrachten.

"Die Gesellschaft" – so Stefan – sei eben noch nicht reif für eingetragene Partnerschaften – auch solche auf kommunaler Ebene, wie sie etwa die Grünen als "Wiener Ehe" einfordern –, ebenso wenig für eine Informationskampagne gegen Homosexuellenfeindlichkeit in Wien, die Grüne wie SPÖ gleichermaßen ventilieren – Letztere als Aktion der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen.

Liberales Wien

Die Existenz dieser Stelle – so SP-Landtagsabgeordneter Kurt Stürzenbecher – zeige unter anderem, "wie ernst die Stadt Wien die Homosexuellengleichstellung nimmt". Da könne es nur noch besser kommen, ergänzte der – als Einziger im gesamten Parteienspektrum – offen schwule Grünen-Kandidat Marco Schreuder, etwa indem "auch die SPÖ endlich homosexuelle Kandidaten aufstellt". Doch damit müsse man wohl bis zur nächsten Wahl warten. (Irene Brickner, DER STANDARD, Print, 19.10.2005)

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