EU versucht Ausbreitung zu verhindern

16. Oktober 2005, 10:48
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Ein Sonderministerrat und Expertenrunden sollen Wege aus der Krise finden - In Asien sei Kampf gegen Virus verloren

Die Meldungen aus der Türkei sorgten für Unruhe beim Treffen der Veterinär- und Gesundheitsexperten in Brüssel: Freitagmittag wurde bekannt, dass in der türkischen Provinz Mansia neun Personen unter medizinische Beobachtung in einem Spital gestellt wurden – Taubenzüchter und ihre Nachbarn. 40 Tauben waren aus noch unbekannten Gründen verendet, weshalb die Menschen in unmittelbarer Umgebung des Taubenschlags ins Krankenhaus gebracht worden waren.

"Besorgnis erregend"

Am Donnerstag hatte die EU-Kommission bestätigt, dass es sich bei dem Erreger von in der Türkei verendeten Puten um das H5N1-Virus handelt. Die Ausbreitung des Virus Richtung Europa nannte der US-Gesundheitsminister Mike Leavitt ein „Besorgnis erregendes Zeichen“ und sagte, die Welt müsse noch härter daran arbeiten, sich auf eine mögliche Pandemie vorzubereiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte, die Vogelgrippe sei nicht automatisch gefährlich für Menschen.

In Asien sei der Kampf gegen das Vogelgrippevirus aber weit gehend verloren. „Alle Versuche, sie in Südostasien auszumerzen und unter Kontrolle zu bringen, sind fehlgeschlagen“, sagte der WHO-Direktor für die Region West-Pazifik, Shigeru Omi.

Für kommenden Dienstag wurde eine Sondersitzung der EU-Außenminister in Luxemburg einberufen, in der über die Ausbreitung der Vogelgrippe beraten werden soll. Für Österreich nimmt Ursula Plassnik daran teil. Vor allem Frankreich hatte auf ein solches Treffen gedrängt.

Mögliche Maßnahmen

Auf Expertenebene wurden bereits verschiedene Maßnahmen diskutiert, um eine Ausbreitung der auch Geflügelpest genannten Vogelgrippe zu verhindern. Nach einer entsprechenden Bitte aus Ankara fliegen Epidemologen der EU in die Türkei, um bei der Eindämmung zu helfen. Auch Bulgarien, wo es Verdachtsfälle gibt, bat um Hilfe. Die EU-Kommission schickt Labor- und Veterinärexperten.

Erst am Samstag wurde Aufschluss darüber erwartet, ob das H5N1-Virus auch in Rumänien aufgetreten ist. Eigentlich sollte das Testergebnis bereits am Freitag da sein, aber wegen Probleme beim rumänischen und britischen Zoll konnten die Proben nicht früher im EU-Labor im britischen Weybridge sein. „Wir kritisieren das nicht, wir teilen das nur mit“, sagte der Sprecher von EU-Verbraucherschutzkommissar Markos Kyprianou, Philip Tod.

Kritik an Entwarnung

Kritik musste sich die EUKommission aber vom deutschen Verbraucherschutzminister Jürgen Trittin anhören, der der Brüsseler Behörde schlechtes Krisenmanagement vorwarf. Am Mittwoch hatte sie im Falle Rumäniens noch Entwarnung gegeben, am Donnerstag die Vogelgrippe bestätigt. „Man gibt nicht Entwarnung, wenn man das endgültige Ergebnis nicht weiß“, sagte Trittin. In Bayern tritt unterdessen ab Montag ein Verbot von Geflügelmärkten und Vogelausstellungen in Kraft, um ein künstliches Infektionsrisiko zu verhindern.

Die EU-Kommission schickte am Freitag eine Aufforderung an die Mitgliedstaaten, Maßnahmen zu setzen, um Kontakte von Menschen mit Wildvögeln und Geflügel zu verhindern. Die EU-Staaten sollten „gefährliche Zonen“ deklarieren, sagte Sprecher Philip Tod.

Ein generelles Verbot der Freilandhaltung wollte die EU-Kommission am Freitagmittag nicht fordern. „Das muss nicht sein, könnte aber in einigen Fällen möglich sein“, sagte Tod. Auch an ein Jagdverbot sei nicht gedacht. Empfohlen wurde, dass sich Risikogruppen und über 65- Jährige gegen herkömmliche Grippe impfen lassen.

Solidarfonds

Es gibt auch schon Vorbereitungen, aus EU-Fonds Geld für einen möglichen Ernstfall zu sichern. Werden Notschlachtungen bei Geflügel notwendig, wird die EU 50 Prozent der Kosten übernehmen. Ein eigener Solidarfonds soll erst für die kommende Finanzperiode 2007 bis 2013 eingerichtet werden. Erst wenn die Seuche auf EU-Gebiet ausbricht, sollen mögliche Kosten berechnet werden.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Vogelgrippe in Asien schätzt die EU-Kommission auf acht bis zwölf Mrd. Euro. (DER STANDARD Printausgabe, 15./16.10.2005)

Alexandra Föderl-Schmid aus Brüssel
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