E-Card-Schauen im Hochsicherheitstrakt

16. Oktober 2005, 19:06
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Die heimische E-Card kommt nicht aus Österreich - Den Auftrag hat die Münchner IT-Firma Giesecke & Devrient ergattert

Um mitzuerleben, wie das "Hirn" auf die E-Card kommt, müssen sich die Besucher Sicherheitsauflagen unterwerfen, die jeder AKW-Schaltzentrale Ehre täten. "Kein Kugelschreiber, kein Block, kein Handy, kein Aufzeichnungsgerät, keine Kamera", diktiert lächelnd die Unternehmenssprecherin den Politikern, Hauptverbandsfunktionären und Journalisten aus dem benachbarten Österreich.

Dann demonstriert die Frau, wie der Sicherheitspass vor das Laser-Auge zu halten ist, auf dass sich die äußeren Sicherheits-Schleusentore vor den Besuchern öffnen. Auch zu berühren – so betont sie weiter – sei tunlichst nichts im Dienstleistungszentrum von Giesecke & Devrient (G & D), dem prominenten Münchner IT-Unternehmen, das seit Februar 2005 den cleveren heimischen Krankenscheinersatz produziert.

Virginalkarten

Das beginnt beim Drucken (je 48 Karten auf einem PET- Bogen) und setzt sich dem Ausstanzen (der so genannten Virginalkartenproduktion) fort. Die Unschuld verlieren die Plastikdinger anschließend in Stehhöhe, auf einem Laufband unter Glas. Hier wird der implantierte Chip initialisiert und personalisiert – gefolgt vom Aufdrucken des Karteninhabernamens.

Der einzige, der während der voll automatisierten Herstellung Hand anlegt, ist ein junger Mann im weißen Arbeitsmantel. "Um zu überprüfen, ob die äußeren Merkmale stimmen", erklärt Kartenproduktionsleiter Volker Waschk Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. Um welche Merkmale es sich genau handelt, verrät er nicht: Andere G&D-Kunden im Plastikkartensektor – Banken etwa oder Kreditkartenfirmen – haben vehement Einspruch gegen die Weitergabe konkreterer Informationen erhoben.

Innovativer "Schlüssel"

Weitaus mehr zu erfahren ist über das Karten-Innenleben. Vor allem über die Schlüsselfunktion der E-Card. Für jeden Versicherten – und nur für ihn – öffnet sie den Pfad auf den Server des Hauptverbandes mit allen über die Person darauf befindlichen Informationen. Ein "weltweit innovatives Projekt", wie Karsten Ottenberg, Vorsitzender der G&D-Geschäftsführung, nach der Werkbesichtigung vor den Journalisten lobt. Außer Österreich habe bisher nur Taiwan vergleichbar intelligente Gesundheitskarten in Einsatz.

Einen Stock tiefer – und immer noch im tiefsten Bayern – werden derweil die E-Cards des heutigen Tages kuvertiert: Bis zum Ende des Roll-Outs im November verlassen täglich 70.000 Karten die Firma in einem versiegelten Lkw in Richtung Grenze. "Wir geben die Briefe in Salzburg-Stadt auf. Sendungen wie diese müssen über die österreichische Post verschickt werden", erläutert Volker Schörghofer, Geschäftsführer des österreichischen Hauptverbandes. Mit der Abwicklung des Auftrags durch G & D – so sagt er – sei er "höchst zufrieden". (DER STANDARD Printausgabe, 15./16.10.2005)

Irene Brickner aus München
  • Maria Rauch-Kallat im "Hochsicherheitstrakt"
    foto: g&d

    Maria Rauch-Kallat im "Hochsicherheitstrakt"

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