Häupl distanziert sich von Watschenmännern

20. Oktober 2005, 14:03
90 Postings

SP-Chef zeigt sich über Aktion der Jung­sozialisten unglücklich, verweist jedoch auf ÖVP und wundert sich über "flippige" Grüne

Wien - Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) hat am Dienstag eine SPÖ-Aktion verurteilt, bei der Mitglieder der Bundesregierung als Watschenmann traktiert werden konnten. Gleichzeitig verwies er auf Verfehlungen von ÖVP-Wahlkämpfern. "Aber ich will ja gar nicht raunzen. Wahlkampf ist Zeit fokussierter Unintelligenz. Da passieren halt gelegentlich Dinge, die nicht gescheit sind - leider auch in der eigenen Partei", so der Bürgermeister.

Aktion eingestellt

Bei der Sache mit dem Watschenmann, die am Montagabend von ÖVP-Landesparteichef Johannes Hahn kritisiert worden war, handelte es sich laut Häupl um eine Aktion der Jungsozialisten, die er nicht gutgeheißen habe. "Kaum habe ich davon erfahren, ist die Aktion eingestellt worden", betonte er in seiner wöchentlichen Pressekonferenz: "Aber man soll nicht den Splitter im Auge des anderen sehen, wen man selber beide Augen voller Balken hat."

ÖVP-Funktionär drohte mit Tätlichkeiten

So habe ein ÖVP-Funktionär in Meidling einem Vertreter der FPÖ beim Streit um einen Standplatz Tätlichkeiten angedroht. Generell sei das grundsätzliche Nichteinhalten von Bewilligungen von Standplätzen durch die ÖVP eine "eigentümliche Geschichte".

Häupl: Wien soll Leibnitz werden

Amüsiert zeigte sich Häupl über den Auftritt von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) bei einer Veranstaltung der Wiener ÖVP am Montagabend. "Ich freue mich über jeden Wahlkampfauftritt des Herrn Bundeskanzlers in Wien. Ich kann nur hoffen, dass er möglichst viele absolviert, er hat dann wahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis wie in Leibnitz", so Häupl in Anspielung auf VP-Verluste bei der steirischen Landtagswahl.

Bunt

Auch von Schüssels Aufruf gegen ein einfärbiges und absolutistisches Wien gab er sich unbeeindruckt. "Ich bin überzeugt davon, dass Wien mindestens so bunt, frei und demokratisch ist, wie Vorarlberg, Tirol oder Niederösterreich unter Erwin Pröll." Er sei dem Bundeskanzler jedenfalls "sehr dankbar" für die Leistungen, die der Bund für Wien erbracht habe, gab sich Häupl sarkastisch - um sodann mangelnde Finanzierungen beim öffentlichen Verkehr und beim Straßenbau sowie Verfehlungen am Arbeitsmarkt aufzuzählen.

Flippige Grüne

Erwartungsgemäß wenig Verständnis zeigte Häupl für den Aufruf von Grünen-Chef Alexander Van der Bellen an die rot-grünen Wechselwähler, sich in Wien diesmal aus taktischen Gründen für seine Partei zu entscheiden. Nur eine Stimme für die SPÖ sei eine klare Stimme gegen die Bundesregierung, meinte dagegen Häupl. Den Grünen unterstellte er Nervosität. "Dabei hätten sie es gar nicht notwendig, so flippig zu sein", meinte der Bürgermeister. (APA)

  • Häupl: "Ich will ja gar nicht raunzen."
    foto: standard/fischer

    Häupl: "Ich will ja gar nicht raunzen."

Share if you care.