UNO befürchtet Völkermord in Darfur

24. November 2005, 14:05
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"Gewalt eskaliert" - EU und AU fordern politischen Dialog

New York/Nairobi/Brüssel - Die Vereinten Nationen befürchten einen Völkermord in der sudanesischen Krisenregion Darfur. Dort eskaliere die Gewalt gegen Zivilisten, sagte der UN-Sonderbeauftragte für die Verhinderung von Völkermord, Juan Mendez, am Montag (Ortszeit) in New York. Er habe sich selbst davon in den Flüchtlingslagern der Region überzeugt: "Die Situation ist viel gefährlicher, als ich erwartet hatte. Alle Konfliktparteien kämpfen wieder."

Mendez wollte nicht dazu Stellung nehmen, ob die von der sudanesischen Regierung unterstützten so genannten Janjaweed- Milizen bereits Völkermord verübt haben. "Doch was ich ganz sicher glaube, ist, dass die Gefahr noch nicht abgewendet ist - dass es also erstmals oder erneut, je nach Standpunkt, zu einem Völkermord kommen kann."

Zwei Millionen Menschen vertrieben

Mendez warf der sudanesischen Regierung vor, die Verantwortlichen für die Morde der Milizen nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Die Regierung erfülle in keiner Weise ihre Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Die Milizen haben nach UNO-Angaben schon zwei Millionen Menschen vertrieben und wenigstens 180 000 Menschen getötet. Die Zahl der Toten wird von Hilfsorganisationen auf mindestens 300 000 geschätzt.

Die Europäische Union (EU) und die Afrikanische Union (AU) forderten die sudanesische Regierung und die Rebellen in der westsudanesischen Provinz Darfur zum politischen Dialog auf. "Wir brauchen einen politischen Dialog. Und die Kampfhandlungen müssen aufhören"", sagte der Präsident der AU-Kommission, Alpha Oumar Konaré, in Brüssel. "Die Friedenskräfte der AU müssen endlich mit ihrer Arbeit beginnen können."

"Wir sind entschlossen, Druck auf die Rebellen und auf die Regierung zu machen, damit beide Seiten verstehen, dass es nur eine politische Lösung gibt", sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana nach einem Gespräch mit Konaré. Der AU-Kommissionspräsident sagte, die Lage in Darfur erfordere nicht zusätzliche Friedenssoldaten: "Es geht darum, dass wir sie nicht richtig einsetzen können."

Den AU-Soldaten fehlt es vor allem an Transportmitteln und Logistik. Die sudanesische Regierung behindert die von der EU und der NATO angebotene logistische Hilfe. (APA/dpa)

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