Tourismus-Trend abseits der Piste

7. November 2005, 14:27
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Carver sind weit verbreitet, ihr Potenzial wird aber nicht ausgenützt - Freeriding und Skitouren im Kommen

Wien - Wer sich so wie die Experten beim World Winter Forum (12. bis 14. Oktober im Austria Center Vienna) intensiv mit dem Thema Winter beschäftigt, der muss auch nach den aktuellen Trends und Innovationen im Alpinski-Bereich fragen. Carving allein, so Forum-Initiator Wolfgang Eder sinngemäß, kann es ja wohl nicht gewesen sein.

Der Carving-Trend brachte mit den 90er-Jahren zwar frischen Wind in die in Ehren ergraute Alpinskigemeinschaft, Querdenkerin Nicola Werdenigg steht dieser Entwicklung dennoch mit einiger Skepsis gegenüber. In den 70ern war Werdenigg, die Schwester von Abfahrer Uli Spiess, unter ihrem Mädchennamen Mitglied des ÖSV-Teams. Weltcupsiege blieben der Abfahrerin verwehrt, bei den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck wurde Spiess in der Abfahrt Vierte. Sie blieb ihrem Metier danach als Skipädagogin, bei der Leitung von Bewegungs- und Bewusstseinstrainings oder der Kommunikation für verschiedenste Websites (u.a. Kolumne auf derStandard.at) verbunden.

Carver nutzen Potenzial nicht

"Für mich ist das nicht Carving, sondern einfach Skifahren. Carving ist eben entstanden, um das Skifahren zu vereinfachen. Man hat es dann verkaufsfördernd eingesetzt. Aber im Prinzip ist es so, dass 90 Prozent der Skifahrer, die mit Carvingskiern unterwegs sind, deren Potenzial ja gar nicht nutzen", sagt Werdenigg und konstatiert mangelnde Information, Aufklärung und Schulung sowie verstaubte, technokratische Skischul-Lehrpläne, die einer veralteten Bewegungsauffassung huldigten. "Da wird sich einiges tun", sagt die 47-Jährige.

Die Suche nach neuen Trends wird fortgesetzt. Geht's nach Werdenigg, dann spielen sich die nicht unbedingt auf der Piste ab. Es könne durchaus passieren, das Bekanntes im neuen Sprachgewand daherkommt: "Das gute alte Tiefschneefahren heißt jetzt eben Freeriding", so Werdenigg. Ein Vergnügen, das heimische Touristiker freilich relativ kalt lassen dürfte. Schließlich handelt es sich dabei um ein Minderheitenprogramm, dessen Zugangsbedingungen und Risiken einer massenhaften Vermarktung entgegenstehen. "Nicht jeder verfügt über das Können dazu, außerdem kann ich nicht in jeden Hang zu jeder Zeit einfahren. In Österreich gibt's dafür außerdem nur wenige Möglichkeiten."

Skitouren im Kommen

Dass das Verlangen, Urlaubsspaß abseits der Piste zu suchen, aber auch massentauglich sein kann, beweise ein anderer "ganz spannender" Trend. "Skitouren sind im Kommen. Vorwiegend machen die Leute das entlang der Pisten. Ich habe schon oft beobachtet, dass sie nach Liftschluss mit den Skiern noch einmal hinaufwandern." (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2005)

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