Transparenz aus Sicht der Fondsgesellschaften

15. November 2005, 11:01
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Versteckte Kosten und unvollständige Produktangaben bildeten bis vor kurzem die Basis für wachsendes Misstrauen - gerade von Kleinanlegern - gegenüber Fondsgesellschaften

Der 13. Februar 2004 stellte für die Investmentbranche in Österreich ein wichtiges Datum dar. Spätestens seit diesem Tag mussten auch die inländischen Fondsgesellschaften die Total Expense Ratio in den vereinfachten Verkaufsprospekten veröffentlichen. Immer wieder wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten der „Gebührendschungel“ der Investmentgesellschaften kritisiert. Versteckte Kosten und unvollständige Angaben bildeten hier die Basis für wachsendes Misstrauen gerade von Kleinanlegern gegenüber den Fondsgesellschaften. Mit dieser verpflichtenden TER-Angabe wurde nun versucht, diesen Gebührendschungel zu lichten und für gesteigerte Transparenz zu sorgen.

Wie beurteilen nun die Fondsgesellschaften selbst diese Entwicklungen?

Dieser Frage versuchte Markus Lamprecht im Zuge seiner Diplomarbeit an der Karl-Franzens Universität in Graz auf den Grund zu gehen. Als Basis dienten ihm dabei Fragebögen, die er an rund 70 in Österreich tätige in- und ausländische Fondsgesellschaften versendete. „Die Rücklaufquote hielt sich, wohl auch aufgrund einer gewissen Sensibilität des Themas, mit etwa 33 Prozent zwar in Grenzen, die erhaltenen Antworten bildeten aber doch eine sehr gute Basis, um Einstellungen und Tendenzen zu erkennen“, beschreibt Lamprecht.

Interessanten waren dabei in erster Linie die Meinungen der Gesellschaften zu den konkreten Vor- und Nachteilen der Total Expense Ratio. 91 Prozent der befragten KAGs sahen erwartungsgemäß die verbesserte Transparenz als zentralen Vorteil der TER, bei den Nachteilen wurden am häufigsten das Problem der Nichtberücksichtigung aller Kosten in der TER genannt.

Beeinflussen Kosten die Performance?

Eine weitere Frage behandelte die grundsätzliche Bedeutung und Relevanz von Fondskosten, etwa ihre Auswirkung auf die Rendite. 56 Prozent der befragten Gesellschaften sprachen den Fondskosten zwar eine gewisse Relevanz zu, diese Bedeutung solle aber nicht überschätzt werden. 39 Prozent meinten, dass die Kosten die Rendite und damit die Performance doch erheblich beeinflussen können. „Interessanterweise gab es auch eine Investmentgesellschaft, die in den Fondskosten keinerlei Bedeutung sah“, so Lamprecht.

Kaum verstärktes Kosteninteresse der Kunden

Durch die verpflichtende Angabe der TER konnte man doch damit rechnen, dass für potentielle Investoren der Kostenfaktor mehr in den Vordergrund rücke und Gebühren und Kosten neben der Performance zu einem weiteren wichtigen Entscheidungskriterium werden. Aber wie sieht dies in der Praxis aus? Das Ergebnis dieser Frage stellte sich doch etwas überraschend dar. 35 Prozent der Gesellschaften konnten gar kein verstärktes Kostenbewusstsein bei Ihren Kunden erkennen, 44 Prozent zumindest teilweise. Nur 21 Prozent der Gesellschaften konnten bei Ihren Kunden eine verstärkte Aufmerksamkeit in Richtung Fondskosten beobachten. Erwähnenswert dabei auch, dass es sich bei diesen 21 Prozent ausschließlich um ausländische Fondsanbieter handelte.

Transparenz erhöht Kosten?

Eine weitere Frage bestand darin, worin die Fondsgesellschaften die Gründe für die kontinuierliche Anhebung der Managementgebühren in den letzten Jahren sehen. Als Hauptargument wurden hier die gestiegenen Ausgaben für Vertrieb und Personal angegeben. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass gerade in Österreich die KAGs in den letzten Jahren versuchten, sich über einen Preiskampf Wettbewerbsvorteile zu schaffen und dies zu einem unnatürlich tiefen Preisniveau führte. Dementsprechend stellte die Situation mit steigenden Managementgebühren lediglich eine Anpassung an sich und auch an das europäische Niveau dar. „Überdies wurden als Grund für steigende Managementgebühren auch ein gestiegenes Transparenzerfordernis und die Anforderung an die Gesellschaften, immer komplexere Risikokennzahlen zu veröffentlichen genannt“, schildert Lamprecht.

Einer anderen Frage betreffend eine mögliche Einführung einer TER-Obergrenze standen erwartungsgemäß beinahe alle Gesellschaften negativ gegenüber.

Fazit

Zusammenfassend wurde doch deutlich, dass die Fondsgesellschaften der gesteigerten Transparenz durchaus positiv gegenüberstehen. Da aber auch die TER als Kennzahl noch problembehaftet ist, kann diese Kennzahl wohl lediglich als erster Schritt in Richtung einer völligen Transparenz von Fondskosten angesehen werden.

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