Flüchtlinge vor Spanien Spielball von EU und Marokko

10. Oktober 2005, 14:11
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Experte: Europa könnte mit "vernünftiger Einwanderungspolitik" Ansturm besser bewältigen

Wien - Der deutsche Migrationsexperte Mark Terkessidis hat der EU und Marokko vorgeworfen, das Schicksal der Flüchtlinge vor den spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla auszunützen. Diese seien für beide Seiten "zu einer Art Spieleinsatz geworden", sagte Terkessidis am Donnerstag im Ö1-Mittagsjournal des ORF. Die EU könne durch Bericht von Massenanstürmen ihre Abschottungspolitik legitimieren, während Marokko damit beweisen könne, "dass sie ein riesiges Problem haben", um Geld von der Union zu bekommen.

Im Vergleich zu anderen Ländern habe Marokko jedoch ein vergleichsweise geringes Flüchtlingsproblem. "Man kann das Problem gar nicht genug unterschätzen", sagte er nach seiner Rückkehr von einem Besuch in dem nordafrikanischen Land. Es handle sich um 1.500 bis 3.000 Menschen, die in der Nähe der beiden Exklaven sowie der algerischen Grenze leben und die den Massenansturm als Taktik gefunden hätten, "weil ihre Situation ganz verzweifelt ist". Die Schwarzafrikaner hätten nämlich keine Unterkünfte und keine Versorgung, sie würden von der marokkanischen Polizei und Bevölkerung belästigt.

"Politik des hohen Zauns"

Terkessidis kritisierte die "Politik des hohen Zauns" der europäischen Staaten. Diese trage dazu bei, dass Europa "immer mehr zur Fantasie" für die Afrikaner werde, zu einem Kontinent, auf dem angeblich Milch und Honig flössen. Wenn Europa eine "vernünftige Einwanderungspolitik" betreiben würde, etwa indem sich Ausländer für Arbeit und Aufenthalt "bewerben" könnten, dann gäbe es auch "viel größere Möglichkeiten, den angeblichen Ansturm zu bewältigen". Schließlich brauche Europa Einwanderung.

Der deutsche Experte bezeichnete UNO-Berechnungen von 18 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen als "gnadenlos übertrieben". Sie stammten aus den verschiedensten Ländern wie Nigeria, dem Kongo, Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) oder Sierra Leone und seien "teilweise ungebildete, teilweise sehr gebildete Leute". Ihre Einwanderung nach Europa sei auch eine Projekt zur Belebung der lokalen Wirtschaft, da die meisten Flüchtlinge mit ihrem verdienten Geld die daheim gebliebenen Angehörigen unterstützen wollten. (APA)

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