Slowakei verschiebt Verkauf des Eisenbahn-Güterverkehrs

3. November 2005, 20:07
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ÖBB müssen länger zittern - Slowakische Regierung will vor verbindlichen Angeboten regulatorische Rahmenbedingungen fixieren

Preßburg/Wien - Die Privatisierung ihres Eisenbahn-Güterverkehrs (Cargo Slovakia) wird sich laut dem Verkehrsministerium in Preßburg voraussichtlich bis 2006 verzögern. Hintergrund seien rechtliche Probleme. Es gebe noch keine klare Regelung, wie viel die Cargo Slovakia künftig für die Benützung des slowakischen Schienennetzes zahlen müsse, sagte der Leiter des Ministerbüros, Vladimir Drozda, der Nachrichtenagentur SITA.

Eine entsprechende Schienenregulierungsbehörde werde am 1. November dieses Jahres gegründet. Eine regulatorische Vereinbarung werde aber voraussichtlich erst im Dezember unterzeichnet und erst danach werde man die Interessenten zu einem verbindlichen Angebot einladen. "Wenn die regulatoprischen Rahmenbedingungen noch unklar sind, würden die Interessenten am Ende dieses Risiko in ihre Kalkulationen aufnehmen und weniger bieten", so der Ministersprecher.

Ein Sprecher der ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA), die ein Angebot für Cargo Slovakia legen will, erklärte dazu auf APA-Anfrage nur knapp: "Wir sind noch am analysieren." Konkrete Preisvorstellungen gebe es noch nicht. Die RCA hatte vergangene Woche mit der wirtschaftlichen Prüfung des Unternehmens begonnen. Diese so genannte Due Diligence läuft derzeit noch.

Das slowakische Verkehrsministerium erwartet aus der Privatisierung des Unternehmens Einnahmen zwischen 15 und 20 Mrd. Kronen, umgerechnet 386 bis 515 Mio. Euro. Die ÖBB sind eines von acht Unternehmen, die sich für das slowakische Privatisierungsverfahren qualifiziert haben. Neben den ÖBB haben sich unter anderem auch die Deutsche Bahn AG, die polnische Güterbahn PKP Cargo, und ein Konsortium um die ungarische Staatsbahn MAV sowie Interessenten aus Russland, Großbritannien und Australien um die Cargo Slovakia beworben.

Cargo Slovakia beschäftigt derzeit 12.300 Mitarbeiter und besitzt Aktiva in der Höhe von 12,6 Mrd. Kronen (326 Mio. Euro) - darunter unter anderem 16.000 Waggons und 800 Lokomotiven. Im ersten Halbjahr 2005 lag der Umsatz des Unternehmens bei 9 Mrd. Kronen, die Kosten bei 8,8 Mrd. Kronen und der Gewinn bei 208,3 Mio. Kronen. Das transportierte Gütervolumen lag im Halbjahr bei mehr als 24 Mio. Tonnen. Mit der Übernahme würden die ÖBB hinter der Deutschen Bahn und den Polen zur drittgrößten Güterbahn Europas aufsteigen. (APA)

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