Böhmdorfer vertritt Seledec gegen ORF

4. Oktober 2005, 17:00
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Lindner habe laut Brief "das Personal­büro beauftragt, Seledec' Versetzung in den Ruhestand zu betreiben", so Böhmdorfer - "Anschlag auf Medienfreiheit"

Walter Seledec, zentraler Chefredakteur des ORF, hat nach der Verwarnung durch Generaldirektorin Monika Lindner Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer eingeschaltet. Der Anwalt fährt gegen sie schwere Geschütze auf.

Lindner habe laut Brief "das Personalbüro beauftragt, Seledec' Versetzung in den Ruhestand zu betreiben", sagt Böhmdorfer dem STANDARD. Seledec unterschrieb eine FPÖ-Traueranzeige für Friedrich Peter: "Lindner hält das für Pflichtverletzung und junktimiert sie unzulässig mit Zwangspensionierung".

"Misslungener Einschüchterungsversuch"

Für Seledec' Anwalt ein "Anschlag auf Medienfreiheit und freie Meinungsäußerung.": "Wenn man ein Verhalten, das man auch mit einem Dienstgespräch regeln könnte, mit einer Zwangspensionierung bedroht, schüchtert das auch Dritte ein, etwa andere ORF-Redakteure". Für den Anwalt ein "unmögliches Androhungsverfahren" und "misslungener Einschüchterungsversuch".

Keine "politische Äußerung"

Lindner könne ihre Ankündigung jetzt noch zurücknehmen, "einer Generaldirektorin des ORF steht so ein Verhalten nicht an." Seledec kehre aus dem Urlaub zurück, er sei "leistungsbereit und wird seine Pflichten als Redakteur weiter wahrnehmen". Das Fehlverhalten liege eindeutig bei Lindner. Seledec habe mit der Parte keine "politische Äußerung" getan, sondern "wollte damit seine menschlichen Verbundenheit und seine Anteilnahme zum Ausdruck bringen." Dienstrechtliche Verfehlung sei das "keinesfalls gewesen". (gra/DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2005)

  • Dieter Böhmdorfer, Ex-Justizminister.
    foto: standard/cremer

    Dieter Böhmdorfer, Ex-Justizminister.

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