Porsche bremst bei VW Finanzinvestoren aus

7. November 2005, 14:43
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Der Stuttgarter Sportwagenhersteller will sich mit 20 Prozent an der Volkswagen AG beteiligen und damit für eine stabile Aktionärs­struktur beim Wolfsburger Autobauer sorgen

Stuttgart/Wolfsburg - Der Sportwagenhersteller Porsche will sich mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligen. Das teilte der Stuttgarter Autobauer am Sonntag mit. Porsche würde damit noch vor dem Land Niedersachsen (18,2 Prozent) größter Anteilseigner des VW-Konzerns.

"Wir wollen durch dieses Engagement sowohl die Geschäftsbeziehungen zu VW als auch einen wesentlichen Teil unserer Zukunftsplanungen langfristig absichern", sagte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking.

Volkswagen reagierte erfreut auf den geplanten Porsche-Einstieg. Eine stabile Aktionärsstruktur sei für ein langfristig angelegtes Automobilgeschäft sehr wichtig, sagte VW-Sprecher Frank Gaube. Durch eine Beteiligung von Porsche würde die Zusammenarbeit zwischen den beiden Autobauern gestärkt.

Gewerkschaften sehen Einstieg positiv

Auch die IG Metall sieht den geplanten Einstieg positiv. "Das ist gut für das Unternehmen und gut für den Standort Deutschland", zitiert die Frankfurter Rundschau Gewerkschaftssprecher Georgios Arwanitidis. Damit würde außerdem eine feindliche Übernahme erschwert.

Auf Basis des aktuellen VW-Kurses müsste Porsche rund drei Milliarden Euro ausgeben, um 20 Prozent der VW-Stammaktien zu erwerben.

Die Beteiligung werde aber auf keinen Fall die Schwelle erreichen, bei der Porsche ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müsste, hieß es am Sonntag. Als Grund für den Schritt nannte Porsche die Tatsache, "dass Volkswagen in der Zwischenzeit für Porsche nicht nur ein wichtiger Entwicklungspartner, sondern auch zu einem bedeutenden Lieferanten für etwa 30 Prozent des Absatzvolumens geworden" sei.

Finanzierung aus vorhandener Liquidität

Laut Wiedeking kann Porsche den Kauf der VW-Anteile aus der vorhandenen Liquidität finanzieren. Man gehe davon aus, dass das Investment für beide Seiten Gewinn bringend sei. Außerdem soll damit erreicht werden, dass es nach der zu erwartenden Aufhebung des VW-Gesetzes durch ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes nicht zu einer feindlichen Übernahme von Volkswagen durch Investoren komme, "die nicht die langfristigen Interessen des Wolfsburger Konzerns zum Ziel hätten.

"Unser geplantes Investment ist die strategische Antwort auf dieses Risiko", sagte Wiedeking, Derzeit hält Porsche "keine fünf Prozent" an VW. Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied Christian Wulff begrüßte die Porsche-Pläne. (dpa, Reuters, AP, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.09.2005)

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    Zu einem Volkswagen wird Porsche auch dann nicht, wenn sich der Sportwagenhersteller bei VW einkauft.

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