Hintergrund: "Kreisky-Wiesenthal-Affäre"

20. September 2005, 10:42
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1970 NS-Vergangenheit von vier Ministern des Kabinetts Kreisky angeprangert - 1975 SS-Vergangenheit von Friedrich Peter aufgedeckt

Wien - Legendär war das gespannte Verhältnis des am Dienstag verstorbenen Nazi-Jägers Simon Wiesenthal zum SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky, der selbst Jude war und vor den Nationalsozialisten fliehen hatte müssen. Dieser Konflikt brachte Wiesenthal ab den siebziger Jahren immer wieder in die Schlagzeilen. So protestierte er 1970 gegen vier Minister der Minderheitsregierung Kreiskys mit NS-Vergangenheit: es handelte sich dabei um Otto Rösch (Innenminister), Josef Moser (Bauminister), Erwin Frühbauer (Verkehrsminister) und Hans Öllinger (Landwirtschaftsminister). Penibel listet Wiesenthal in seinen Lebenserinnerungen "Recht, nicht Rache" die NSDAP-Mitgliedsnummern der Genannten auf.

Mitte der siebziger Jahre deckte Wiesenthal die SS-Vergangenheit des damaligen FPÖ-Obmannes Friedrich Peter auf, der politisch ein gutes Verhältnis zu Kreisky aufgebaut und dessen Minderheitsregierung unterstützt hatte. In einer Pressekonferenz präsentierte er den Journalisten das über Peter zusammengetragene Material. Kreisky konterte mit einem TV-Auftritt, in dem er Peter verteidigte und erklärte, er glaube diesem, wenn er sage, dass er sich keiner NS-Kriegsverbrechen schuldig gemacht habe.

"Kreisky hat verloren"

Als Kreisky darauf auch noch den Verdacht in den Raum stellte, Wiesenthal selbst könnte ein Nazi-Kollaborateur gewesen sein, klagte dieser. Kreisky nahm die Äußerung zurück, erhob sie aber rund ein Jahrzehnt später neuerlich, konnte den Wahrheitsbeweis nicht antreten und wurde wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von damals 270.000 Schilling verurteilt. "Kreisky hat verloren, und anstatt die Geldstrafe zu bezahlen, ist er gestorben", hat Wiesenthal den Ausgang dieses Konflikts Jahre später kommentiert.

Der jetzige Bundespräsident und damalige SP-Klubobmann Heinz Fischer hatte einen Untersuchungsausschuss gegen Wiesenthal vorgeschlagen, der aber letztlich nicht zu Stande kam. Im Präsidentschaftswahlkampf hatte Fischer dazu erklärt: "Ich würde heute anders und reifer handeln und es tut mir leid, dass ich damals keinen besseren Weg zur Bereinigung des Konflikts gefunden habe." Anfang Juni dieses Jahres hat Fischer Wiesenthal das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich überreicht. (APA)

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