Evergreen im Atlantik

3. Oktober 2005, 15:20
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Madeira, die immergrüne Insel bietet nicht nur den permanenten Frühling, sondern auch naturnahe Aktivitäten aller Art

Die Hauptrolle spielt auf diesem Eiland eindeutig die grüne Kulisse. Welche andere Insel heißt in deutscher Übersetzung schon Holz, und welche Inselhauptstadt in unserer Sprache Fenchel? Dass auf Madeira ein Wald aus Lorbeerbäumen von der Unesco zum Welterbe erklärt wurde, passt da nur ins Bild, das vor allem in den Klubfarben Rapids erstrahlt: Grün für die prächtige Vegetation und Weiß für den Nebel, der die Blüten- und Blätterpracht feucht und frisch hält.

Was bei uns teuer in Blumengeschäften erstanden werden muss - riesige weiße Lilien zum Beispiel oder Agapanthus in allen Farben -, wächst auf Madeira auch einfach so am Straßenrand. Die Straßen sind womöglich das Zweite, was dem Besucher gleich einmal nach der Ankunft auffallen könnte. Die gebirgige Atlantikinsel hat nämlich eine erstaunliche Anzahl an Tunnels, die im Verhältnis zur Größe auch noch jene der Schweiz übertrifft. Zudem sind die Straßen oft genug so steil, dass selbst alpenländische Besucher Respekt zeigen und sich frisch gelandet womöglich fragen, wie die Inselbewohner das im Winter mit ihren Autos machen.

Aber, ach, klar: Eis und Schnee gibt es auf Madeira natürlich nicht, sondern ausschließlich Frühling in Permanenz. Dank der subtropischen Lage rund 500 Kilometer vor dem Festland Marokkos herrschen auf der Insel jahraus, jahrein angenehm moderate Temperaturen, egal, ob es nun Jänner ist oder Juli: In den Wintermonaten hat es immerhin warme 18 oder 19 Grad. Im Hochsommer, also im August, bleibt es mit rund 26 Grad vergleichsweise kühl temperiert.

Und so ließ es sich in diesem permanenten Gewächshausklima nicht vermeiden, dass sich auf der Insel im Laufe der Jahrhunderte eine der prächtigsten Vegetationen überhaupt bildete, zusammengetragen aus allen Teilen der Welt. Und stets blüht irgendetwas. So auch in Fenchels bzw. Funchals prächtiger Art-déco-Markthalle, die den Besucher gleich am Eingang mit einem repräsentativen Querschnitt der einheimischen Blumen- und Blütenpracht geradezu betäubt.

Die teuersten Exemplare aus unseren Blumengeschäften wie Paradiesvogelblumen oder Orchideen aller Art gibt es hier als Meterware zu kaufen. Dahinter kommen die Vegetabilien, und man weiß plötzlich, warum wir bei "Obst" und "Gemüse" im Deutschen nur den Singular kennen: Da gibt es nicht nur all das, was auch nach Mitteleuropa importiert wird, sondern zum Beispiel auch noch Baumtomaten, Bananenmaracujas oder Passionsfrüchte. Und mitten im Innenhof steht ein riesiger Flammenbaum. Exotische Gewächse aus aller Welt finden sich aber nicht nur am Markt, sondern auch in den Boulevards von Funchal - ganz zu schweigen von den zahlreichen botanischen Parks, die zum Sehen, Riechen und Staunen einladen.

Doch Madeira hat neuerdings noch viel mehr zu bieten als frühlingshaftes Flanieren für traditionsbewusste Touristen, die ihre Urlaube dort verbringen wollen, wo unser seliger Krampfadernheiler Karl I. seine letzte Ruhe fand und sich schon Winston "No sports" Churchill entspannte.

Vielmehr ist auch auf der Blumeninsel längst "sports, yes please!" angesagt, und zwar in allen Preis- und Leistungsklassen: Hochseefischer sind in den Gewässern vor der Insel ähnlich gut aufgehoben wie Wellenreiter, denen Madeira als das Hawaii Europas gilt. Für bloße Badeurlaube hingegen ist die Insel aufgrund des doch eher kühlen Wassers und der grobkiesigen Strände nicht eben ideal geeignet.

Für Golfer wiederum gibt es zwei anspruchsvolle Plätze, die landschaftlich spektakulärer kaum sein könnten: Vor allem der Palheiro Golf Club (18 Loch) beeindruckt mit dem wahrscheinlich schönsten Blick, den man vom steilen Hinterland hinunter auf die Küste kriegen kann. Doch auch für all jene, die sich lieber ohne Golfschläger, dafür aber zu Fuß durch die Landschaft bewegen wollen, bietet die Insel ein vielfältiges Angebot: Mehrtägige, anstrengende Bergtouren quer über die Insel jenseits der Baumgrenze sind ebenso möglich wie leichte Wanderungen durch die üppigen Wälder entlang der allgegenwärtigen Bewässerungskanäle.

Die Versportlichung Madeiras hat auch im Hotelangebot ihren Niederschlag gefunden. Residierte Winston Churchill weiland im noblen Reid's Palace in Funchal, um dort seine Aquarelle zu malen, so schauten Edward und Sophie kürzlich in der edlen Casa Velha do Palheiro vorbei, die dem gleichnamigen Golfklub angeschlossen ist. Ebenfalls mitten im Grün der Hügel hoch über Funchal liegt die jüngste Luxusoase Madeiras, das Choupana Hills.

Die vor drei Jahren eröffnete Designhotelanlage besteht aus rund 30 asiatisch angehauch- ten Luxusbungalows inklusive einer der besten Wellnessanlagen Europas. Eingebettet ist das alles in eine duftende, grün changierende Pflanzenpracht, die allein schon für Entspannung und Wohlsein sorgt. Denn wie gesagt: Die Hauptrolle spielt auf der Insel eindeutig die grüne Kulisse. (Der Standard/rondo/16/9/2005)

-->Service Anreise: Die Lauda Air fliegt jeden Montag Funchal auf Madeira nonstop an (Flugdauer: etwas über vier Stunden). Im Sommer gibt es zusätzlich viermal wöchentlich Flüge nach Lissabon (jeweils am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag) und von da mit Star Alliance Partner TAP Portugal Airlines Weiterflugmöglichkeit nach Funchal.
Infos über Madeira allgemein:
www.madeira-club.de,
www.madeira-web.com,
www.madeira-island.com
Unterkunft: Choupana Hills Resort & Spa: Travessa do Largo da Choupana 9060-348 Funchal Madeira/ Portugal Tel.: 00351 / 291 20 60 20 Fax: 00351 / 291 20 60 21; www.choupanahills.com 
Casa Velha do Palheiro und Palheiro Golf Club Rua da Estalagem 23 9060-415 Funchal Madeira/ Portugal Tel.: 00351 / 291 790 350
Fax: 00351 / 291 794 925 www.palheiroestate.com 
(hat auch eine Yacht zum Hochseefischen im Programm)
Reid's Palace Estrada Monumental 139 9000-098 Funchal Madeira/ Portugal Tel.: 00351 / 291 71 71 71, Fax: 00351 / 291 71 71 77
www.reidspalace.com
Buchung: alle drei Hotels über Mediterranean Experience: www.themed.de
Wandern: Organisierte Bergwanderungen auf Madeira hat die Alpinschule
Innsbruck (www.asi.at) im Programm. Wer auf eigene Faust unterwegs sein will, ist mit dem Büchlein "50 Wanderungen auf Madeira" von Susanne Lipps und Oliver Breda (Goldstadt Verlag) gut bedient.

Von Klaus Taschwer
  • Hoch oben über Funchal thront das Choupana Hills Resort & Spa, die Fernsicht ist phänomenal
    choupana hills

    Hoch oben über Funchal thront das Choupana Hills Resort & Spa, die Fernsicht ist phänomenal

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