NS-Opfer in die Heimat geholt

15. September 2005, 16:18
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Denkmal für Ermordete des Euthanasieprogramms im Zillertal

Uderns – 1931, nach dem frühen Tod ihres Ehemanns stand die Zillertalerin Aloisia Margreiter mit drei kleinen Kindern da (fünf, drei und zwei Jahre alt). Nicht zuletzt die materielle Not habe die Mutter schwermütig gemacht, erzählt die heute 79-jährige Marianne Hacker.

Damals kamen die drei Kinder bei Verwandten unter, die Mutter wurde im weit entfernten Versorgungshaus Nassereith untergebracht. 1941 wurde sie Opfer des NS-Euthanasieprogramms, sie starb in Hartheim in der Gaskammer. Die Angehörigen erhielten die Mitteilung, Margreiter sei während eines Erholungsaufenthaltes an eitriger Angina gestorben.

Seit Sonntag steht der Name von Aloisia Margreiter gemeinsam mit jenen von 24 an 2. Spalte deren Euthanasieopfern auf einem schlicht gehaltenen Denkmal aus weißem Marmor am Friedhof von Uderns. Die Initiative dazu war 2002 von der Innsbrucker Politologin Anna E. Rieser ausgegangen. Rieser, die selbst aus Uderns stammt, recherchierte die Namen der Opfer und nahm mit Ortspfarrer Erwin Gerst Kontakt auf. Gerst stellte sich hinter das Projekt samt der Idee, "etwas zu schaffen wo die Leute hingehen können".

Gemeinsam wurde nicht nur die Gemeindeführung von Uderns gewonnen, sondern auch jene von rund einem Dutzend anderer Gemeinden des Zillertals, aus denen Opfer stammen. Kontakt wurde auch mit deren Angehörigen aufgenommen und die Reaktionen waren durchwegs positiv.

Insbesondere auch für die Idee, die Namen aller Ermordeten am Gedenkstein anzuführen. "Mit den Namen sind die Personen da", sagt Pfarrer Gerst und Marianne Hacker findet es schön, auf diese Weise zu verhindern, dass die Menschen vergessen werden. Von kaum einem der Opfer gibt es eine Urne und damit auch keine Grabstätte.

Klug gewählt war es, die Einweihung des Denkmals mit dem Pfarrfest zu verbinden, bei dem das halbe Dorf auf den Beinen und die Kirche voll ist. Bischof Manfred Scheuer las die Messe und nahm die Einweihung vor. In seiner Predigt warnte Scheuer vor Tendenzen der Gegenwart, kranke und schwache Menschen auf einen Kostenfaktor im Sozialsystem zu reduzieren. (hs/(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2005)

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