ARD-Intendanten wollen Schleichwerbung unterbinden

18. Oktober 2005, 22:38
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Neue Fälle aufgetaucht - Voß: "Entscheidend ist, dass es keinen Einfluss aufs Programm gibt"

Die ARD will künftig gegen Schleichwerbung deutlich härter durchgreifen. Das beschlossen die ARD-Intendanten am Dienstag auf ihrer Tagung in Stuttgart. Zu dem Maßnahmenpaket gehören unter anderem die Präzisierung von Produktionsverträgen, die Einführung einer Programmbeobachtung und weitere Schritte zur Trennung von Werbung und Programm. Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber sagte: "Unser Ziel war es, dafür zu sorgen, dass die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit unseres Programms sichergestellt bleibt."

"Clearingstelle"

Künftig soll es bei der ARD genaue Vorschriften über die so genannte Bereitstellung von Produktionshilfen Dritter geben. Eine eigens eingerichtete "Clearingstelle" unter dem Vorsitz des Justiziars des Südwestrundfunks (SWR), Hermann Eicher, hat in den vergangenen Wochen die Maßnahmen festgelegt und eine Dokumentation der aufgeklärten Fälle wie zum Beispiel in den Produktionen "Marienhof" und "Tatort" vorgelegt.

Darin werden auch weitere Beispiele für Schleichwerbung aufgeführt wie in den Serien "Fabrixx", "Fahnder" oder "Schimanski". An die Produktionsfirmen flossen dem Bericht zufolge im Einzelfall meist fünfstellige Beträge. Fündig wurde die Clearingstelle auch beim Film "Ich will laufen" über den Langstreckenläufer Dieter Baumann. Weil dessen Laufschuhe ins Bild gerückt wurden, sollen 20.000 Euro gegen eine anders lautende Rechnung an die Produktionsfirma geflossen sein.

Produktionsfirmen, nicht die ARD, haben Schleichwerbung zu verantworten

SWR-Intendant Peter Voß unterstrich, dass die Produktionsfirmen die Schleichwerbung zu verantworten hätten, nicht die ARD, als deren Gesellschafter: "Die ARD ist nicht Täter, sondern Opfer." Allerdings trage die ARD eine Mitverantwortung. Eicher kündigte an, künftig würden die öffentlich-rechtlichen Sender auf reine Produktionskostenzuschüsse verzichten, "um jeden Anschein zu vermeiden." Den Maßnahmenkatalog der ARD würden auch alle Landesrundfunkanstalten in ihren Bereichen umsetzen.

Voß fügte hinzu, auch in Zukunft müsse es möglich sein, in Fernsehproduktionen Autos zu verwenden, die von den Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Schließlich wolle man mit den Kosten für Ausstattung und Requisiten nicht unnötig die Gebührenzahler belasten: "Entscheidend ist, dass es keinen Einfluss aufs Programm gibt."

Der SWR-Intendant kritisierte zugleich, dass die EU-Kommission plane, die gezielte Platzierung von Waren in Fernsehproduktionen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu untersagen, den Privatsendern aber zu ermöglichen. "Wir sind grundsätzlich gegen Product Placement", sagte Voß. (APA)

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