"Zivilpakt" für Homosexuelle: Prodi verteidigt sich gegen vatikanische Angriffe

22. September 2005, 17:38
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Unerwartete Unterstützung von Alleanza Nazionale - Christdemokratische Udeur: "Wir brauchen keinen Zapatero"

Rom - Der italienische Oppositionschef Romano Prodi verteidigt sich gegen Angriffe des Vatikans auf seine Pläne zur Einführung eines so genannten "Zivilen Solidaritätspaktes" (PACS) für zusammenlebende Paare nach dem Vorbild Frankreichs. "Der zivile Solidaritätspakt hat in 96 Prozent der Fälle nichts mit dem Problem der Homosexuellen zu tun. Millionen von Menschen, die seit Jahren zusammen leben, gemeinsam Kinder oder Erbschaftsprobleme mit der Wohnung haben, sind am Solidaritätspakt interessiert", meinte der frühere Ministerpräsident und Ex-Präsident der EU-Kommission. Er habe niemals die Einführung der Ehe unter Homosexuellen sowie deren Adoptionsrecht befürwortet.

"Hände weg"

Die Kirche hat Prodi wegen seines Vorschlags stark unter Druck gesetzt. "Hände weg von der Familie und der Ehe", schrieb die vatikanische Nachrichtenagentur Sir, die der italienischen Bischofskonferenz CEI nahe steht. "Man darf eine wesentliche Institution wie die Familie nicht aus Zwecken der Wahlpropaganda zerrütteln", warnte die Nachrichtenagentur.

Scharfe Kritik

Auch von dem vatikanischen Sprachrohr "L"Osservatore Romano" musste Prodi scharfe Kritik einstecken. "Auf der Suche nach Wählerstimmen zerreißen sie die Familie", betonte das Blatt. Die Erklärung Prodis sei eine Herausforderung an die Familie, die aus Mann und Frau besteht, betonte der "Osservatore". Auch die italienische Verfassung stelle klar, dass die Familie auf der Ehe beruht.

"Wir brauchen keinen Zapatero"

Sogar in seinem Oppositionsbündnis sorgte Prodis Initiative für Zwist. "Wir brauchen keinen Zapatero", kritisierte Clemente Mastella, Chef der christdemokratischen Udeur, in Anspielung auf den spanischen Premierminister, der in seinem Land die Ehe zwischen Homosexuellen eingeführt hat. "Alles was zur Schwächung der traditionellen Familie beiträgt, muss bekämpft werden. Hier geht es keineswegs um Kampagnen gegen Homosexuelle, sondern um die Solidität der Familie", meinte Mastella, dessen Gruppierung zu Prodis Bündnis gehört.

Solidarität erntete Prodi dagegen vom Linksdemokraten-Chef Piero Fassino. "Italien sollte sich an den fortgeschrittensten Ländern Europas ein Beispiel nehmen. Die Einführung des so genannten "Zivilen Solidaritätspakts" ist wichtig, damit die gemeinsame steuerliche Veranlagung, Gütergemeinschaft und bevorzugte Erbbestimmungen von zusammenlebenden Paaren geregelt werden kann", meinte Fassino.

Unerwartete Unterstützung erhielt Prodi vom Chef der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale Gianfranco Fini. "Man kann die Ehe mit Partnerschaften nicht gleich stellen. Es ist aber richtig, Diskriminierungen zu beseitigen, die die individuellen und persönlichen Rechte jener Bürger einschränken, die sich für die sogenannte Ehe ohne Trauschein entschließen", betonte der Außenminister. (APA)

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    Homosexuellen-Ehe: Prodi legt sich mit dem Vatikan an

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