TV-Konfrontation: Schröder und Merkel gegen große Koalition

16. September 2005, 16:55
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Letztes direktes Aufeinandertreffen vor der Wahl - Gysi: Mittelfristig Bündnisse mit SPD - Kanzler und Außenminister weiter für Rot-Grün

Berlin - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel haben trotz des vermutlich äußerst knappen Wahlausgangs den Gedanken an eine große Koalition weit von sich gewiesen. In ihrem letzten direkten Aufeinandertreffen vor der Bundestagswahl am 18. September warfen sich Schröder und Merkel in einer Fernsehdiskussion der Spitzenkandidaten am Montag erneut Lügen vor. Beide setzten klar auf einen Sieg ihrer jeweiligen Wunschkoalitionen - Schröder mit den Grünen, Merkel mit der FDP.

Gysi: Mittelfristig Bündnisse mit SPD

Der frühere PDS-Vorsitzende und Linkspartei-Spitzenkandidat Gregor Gysi sprach sich mehrfach für Bündnisse mit der SPD auf mittlere Sicht aus. Schröder ging darauf nicht ein. Der Kanzler und auch der Grünen-Spitzenkandidat, Außenminister Joschka Fischer, gaben trotz der entgegenstehenden Umfragezahlen eine Neuauflage der rot-grünen Koalition als ihr Wahlziel an.

Schröder verglich die Lage mit der vor der Bundestagswahl 2002, wo vier Wochen vor der Wahl niemand mit der Bestätigung der Koalition gerechnet habe. Er sei "sehr optimistisch, dass wir die Nase vorn haben werden". Auch Fischer meinte, dass "die Dinge in Bewegung geraten sind".

Merkel: Keine große Koalition

Auf die Frage, ob Merkel auch einer großen Koalition als Kanzlerin vorstehen wolle, sagte die CDU-Vorsitzende: "Es wird keine große Koalition geben." Genauso wie CSU-Chef Edmund Stoiber trat die Kanzlerkandidatin für eine Koalition mit den Liberalen ein.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle erteilte anderen Koalitionen als der mit der Union eine deutliche Absage. Auf die Frage, wie sich die FDP verhalte, wenn es für Schwarz-Gelb nicht reiche, sagte Westerwelle: "Dann sind wir Opposition."

In Steigerung ihrer bisherigen Angriffe warf Merkel in der Sendung "unwürdige Polemik" und das unnötige Schüren von Ängsten vor. Deutschland habe ungeheure Chancen. "Dazu gehört, dass ich nicht Angst mache, sondern den Menschen einen Weg aufzeige", sagte sie mit Blick auf den Kanzler.

Schröder konterte dies mit dem Hinweis auf die von ihm begonnenen Reformen. Wahlkämpfe könnten zwar "Zeiten zugespitzter Argumentation sein, aber nicht unbedingt beleidigend". Auch er hielt ähnlich wie in der Bundestagsdebatte in der vergangenen Woche der Union vor, mit falschen Zahlen zu operieren.

Eichels "Streichliste"

Für einen heftigen Wortwechsel sorgte auch eine angebliche "Streichliste" von Finanzminister Hans Eichel. Schröder sagte er verberge eine solche Liste nicht, die nach Medienberichten Grundlage für ein bisher unbekanntes 30-Milliarden-Sparpaket der rot-grünen Bundesregierung sein soll.

Schröder äußerte die Vermutung, "fleißige Beamte", die der CDU nahe stehen, hätten die Liste aus Parteiinteressen hergestellt. Stoiber griff Schröder dafür heftig an und erinnerte an die Situation vor der Wahl 2002, wo die Bundesregierung die Lage der Haushalte auch geschönt habe. "Ich habe das alles schon erlebt."

CDU weist Vorwurf zurück

Die Union hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie habe eine angebliche Streichliste des deutschen Finanzministers Hans Eichel (SPD) mit Hilfe ihr nahestehender Beamten in Eichels Ministerium fingiert. "Eichel lügt, dass sich die Balken biegen", sagte CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter der "Bild"-Zeitung vom Dienstag.

"Die Beamten haben nur getan, was ihr Chef von ihnen verlangt hat." Deshalb sei es "dreist, sie jetzt zu beschimpfen und ihnen auch noch Strafen anzudrohen." Die Kürzungen im Umfang von rund 30 Milliarden Euro sollen unter anderem Arbeitslose und Rentner sowie den Kulturbereich betreffen. (APA/dpa)

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    Schröder gegen Merkel bei der Elefantenrunde im TV

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