Bärenkräfte durch Beerensirup

28. Oktober 2005, 14:31
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Himbeersirup im Test: Die Beere schmeckt nicht nur gut, sie tut auch gut. Ob dies für den Sirup ebenfalls gilt, hat Kerstin Scheller untersucht.

"Rubus idaeus" - im Volksmund auch Madebeere, Mollbeere, Hohlbeere oder Katzenbeere genannt und allen wohl als Himbeere bekannt. Sie ist die "heiße Liebe" des Vanilleeises und eine der süßesten Früchte. Aber nicht nur wegen ihres Geschmacks ist die rote Beere so begehrt, sie ist auch reich an Vitamin A und C, vor allem aber an Vitamin H (Biotin). Dieses soll für Glanz und Fülle der Haare sorgen. Und ein Tee aus den Blättern der Himbeere dient als Hausmittel gegen Durchfall. Bei Kindern ist die Frucht vor allem in einer Zubereitungsart beliebt: als zuckersüßer Sirup. Verdünnt mit Wasser wird er zum Himbeersaft, den kaum ein Bub oder Mädchen verweigert. Auch den Eltern kommt dieser "Durstlöscher" entgegen: Können doch sie das Maß an Süße durch den Verdünnungsgrad bestimmen. Bis auf wenige Ausnahmen bestehen diese zähflüssigen Sirups trotz ihrer knalligen Farbe nicht aus Chemie, sondern im Wesentlichen aus Himbeeren, Zucker und Zitronensäure. Das wiederum gefällt den Großeltern, die für ihre Enkel nur das Beste wollen. Allen voran die "Ulla-Oma", Großmutter des fünfjährigen Jan. Beide konnten schnell als Testtrinker gewonnen werden. Tante Anette, die für einen Halbmarathon trainiert, wurde überzeugt, die Säfte unter dem Aspekt Durstlöscher zu bewerten. Fehlte nur noch eine feine Zunge, die herausschmecken sollte, ob die Säfte auch wirklich den Namen Himbeere verdienen. Klaus, der schon zahlreiche Kochkurse in Frankreich belegt hat, musste länger bearbeitet werden. Erst nach mit einem kräftigen Schluck "eau-de-vie framboise sauvage" (Wildhimbeerschnaps) aus dem Elsass - die bevorzugte Zubereitungsart der Himbeere für den Feinschmecker - überstand er den "Angriff auf seine Geschmacksnerven". Die Kriterien Eigentlich sollten sechs Säfte verkostet werden. Doch die Eigenmarke von Merkur und Billa, "clever", bietet (derzeit in Linz) keinen reinen Himbeersirup an, sondern nur die rote Beere in Kombination mit Zitrone. Deshalb wurde er nicht in die Testreihe aufzugenommen. Bevor jeder einzelne Saft auf Farbe, Konsistenz, Süße und Geschmack geprüft wurde, sollten die Tester nach einem ersten Schluck spontan sagen, wie er gemundet hat. "Alle haben mir geschmeckt", so das Pauschalurteil von Jan. Vor allem auf die "fruchtige Note" kam es den Erwachsenen an. Und diese Erwartung, so sei vorweg gesagt, wurde mit Ausnahme des Testsiegers nicht wirklich erfüllt. Beim Ausfüllen des Fragebogens wurde nach den Ursachen gesucht. Übertönt zu viel Zucker den Beerengeschmack? Oder schmeckt der Saft deswegen künstlich, weil zu viel Aromastoffe begemengt wurden? Maximal 10 Punkte konnten vergeben werden. Die Ergebnisse

Darbo Waldhimbeersirup
0,5 Liter bei Billa um 4,79 €

Teuer, aber der Preis macht sich bezahlt. Beim Einschenken ins Glas gleitet der Himbeersirup sanft auf den Boden. Mit Wasser aufgefüllt wird daraus ein Saft in kräftigem Rot. "Fruchtig, ausgewogen im Geschmack, aber nicht zu süß", so das Urteil. "Der Beste", bringt es Jan auf den Punkt. Kein Wunder, beträgt doch der Anteil des Fruchtsaftkonzentrats 49 Prozent. Dadurch wird der Geschmack sehr intensiv, fast ein bisschen "brombeerig" . So sollte der Sirup stärker verdünnt werden als die anderen. Wegen der "natürlichen Komponente" kann er auch zum Abrunden von Fruchtspiegeln für Desserts verwendet werden. 9,5 Punkte

Mautner-Markhof Himbeersirup
0,7 Liter bei Merkur für 1,49 € (in Aktion)

Obwohl der Sirup wässrig blass aussieht, schmeckt er überraschend gut und nach Himbeere. Auch wenn es sich um reinen Himbeersirup handelt, wurde diesem laut Zutatenliste Aroniabeere und süßender Apfelsaft beigemischt, der Anteil von Himbeersaftkonzentrat macht nur zehn Prozent aus (den noch folgenden Himbeerprodukten sind ebenfalls andere Obstsäfte zugegeben). "Echt fruchtig" steht auf dem Etikett, dieser Meinung waren auch die Testtrinker. Negativer Beigeschmack: eine Idee zu süß, daran kann auch das zugesetzte Vitamin C nichts ändern. 8,5 PunkteSpar Himbeersirup
0,7 Liter bei Spar um 1,99 €

Hier scheiden sich die Geister: Bei Kindern kommt der Saft nicht so gut an, da er "zu wenig süß" ist. Das "Zitronige" wiederum findet die Sportlerin angenehm. Für sie löscht dieser Saft am besten den Durst. Der Gourmet meint dagegen, die Säure käme durch unreife Beeren zustande. Unbestritten ist, dass dieser Sirup den geringsten Anteil an Himbeersaftkonzentrat besitzt: nur 7 Prozent. Das frische, rosarote Aussehen fand durchwegs Gefallen. Und die Bläschen, die der Sirup beim Einschenken wirft, findet Jan "lustig". 6 Punkte

Yo-Himbeersirup von Eckes/Granini
0,7 Liter bei Merkur um 1,99 €

In einem Punkt herrschte Übereinstimmung: geschmacksverirrt. Vielleicht liegt das daran, dass der Saft nicht nur aus Himbeersaftkonzentrat (10 Prozent), sondern auch aus Holunder-, Schwarze-Ribisel- sowie süßendem Birnen-und Apfelsaft besteht. Da fällt es selbst der geschulten Zunge schwer, die Himbeere herauszuschmecken. Holunder und Schwarze Ribisel verleihen dem Sirup, der als einziger pasteurisiert ist, ein dunkles Rot. Länger als vier Wochen sollte eine angebrochene Flasche aber nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden (das gilt auch für die anderen Produkte). 4 Punkte

Spitz Himbeersirup
1,5 Liter bei Merkur um 3,49 €

"Klebrig süß, das reine Zuckerwasser", lehnt die Großmutter den Saft ab. Von Himbeere keine Spur. Der Enkel hingegen wollte das Glas zu Ende trinken. Als Einziger unter den Testkandidaten verzichtet Spitz nicht auf die Farbstoffe E 124 und E 132 sowie chemische Konservierungsstoffe. Als entsprechend unnatürlich wurde der Geschmack empfunden, trotz der üblichen zehn Prozent Himbeersaftkonzentrat. Dass dieser Sirup in der Variante Himbeer-Zitrone laut einer Gallup-Umfrage 2004 bei Kindern Testsieger wurde, verwundert. Vielleicht besticht er durch seine Farbe: Der Himbeersaft jedenfalls leuchtet bonbonrosa. 2 Punkte
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