Multimediales Studieren: Jurist werden per Mausclick

8. November 2005, 10:37
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Manchmal kommt der Berg zum Propheten: Die Uni Linz ermöglicht das Jusstudium von daheim. Zeit- und ortsunabhängiges Studieren ist bereits Realität

"Selbstdisziplin braucht man schon, statt zur Grillparty gehe ich halt an den Schreibtisch", meint Sonja Scheidenberger, Mutter zweier Töchter, selbstständig und Studentenvertreterin des Linzer Multimedia-Jusstudiums. Mittels DVDs, Internet und über Video-Conferencing wird Scheidenberger wie viele andere Studierende an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Johannes-Kepler-Uni Linz zur Juristin ausgebildet.

Studieren ist teuer und zunehmend ein Privileg derer, die es sich leisten können. So kann nicht jeder ohne Weiteres in eine Universitätsstadt übersiedeln. Viele steigen nach der Matura ins Berufsleben ein, und mitunter bleibt ein akademischer Abschluss deshalb eine lebensbegleitende Wunschvorstellung.

Das Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften ist ein Fernstudium, das auf den Möglichkeiten des Internets aufbaut. "Wir haben ein weltweit einzigartiges Lehr-, Lern- und Studienkonzept umgesetzt, das unter größtmöglicher Flexibilität unabhängig von starren Zeit-und Stundenplänen ein Studium der Rechtswissenschaften Wirklichkeit werden lässt", erklärt Andreas Riedler, Leiter des an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät angesiedelten Instituts für Fernunterricht. Während des vier Jahre dauernden Studiums sind für die Studenten lediglich zweimal fünf Tage physische Anwesenheit verpflichtend. Selbst diese Zeit muss aber nicht in Linz absolviert werden, weil es Außenstellen in Stadtschlaining, Villach und Bregenz gibt. Dort beginnen ab September wieder die ersten fünftägigen Präsenzphasen: Studierende werden in die Unterrichtsmethoden eingeführt, erhalten die mit DVDs und Lehrbüchern bestückten Medienkoffer und erledigen die Inskription. Das Lernen sowie das Absolvieren der Seminare sind dann jedem selbst überlassen.

Prüfung beim Notar

Im Linzer Zentrum werden Seminare im TV-ähnlichen Studio aufgezeichnet, wer Zeit hat, nimmt live teil, stellt seine Fragen im integrierten Chat, alle anderen laden sich die Seminare zeitversetzt auf den PC. Auch das Prüfungswesen ist ausgeklügelt und findet per Video-Conferencing oder bei Notaren statt. 2400 Studierende haben sich bereits für diese Studienvariante entschieden, viele von ihnen sind berufstätig. Sebastian Wiltsche, Zollbeamter in Villach, ist einer der ersten Absolventen. Er hat sein Studium in weniger als der Mindeststudienzeit geschafft. "Mit der Unterstützung meiner Familie konnte ich auch die Ferienzeiten zum Lernen nutzen und Prüfungen absolvieren", sagt er und ist zuversichtlich, dass ihn schon bald neue berufliche Perspektiven erwarten könnten.

Was Beobachtern auffällt: Die Studierenden werden immer jünger. Der Wiener Thomas Kurek (26) etwa findet das Fernstudium wesentlich angenehmer als den regulären Studienbetrieb. Kein Gedrängel in überfüllten Hörsälen, keine Zeitprobleme beim Koordinieren mit dem Nebenjob und - vor allem - Professoren, die via E-Mail fast rund um die Uhr erreichbar sind. "Ich habe noch nie länger als zwölf Stunden auf eine Antwort gewartet", weiß Kurek. Neben den Medienkoffern (590 Euro im ersten, 1280 Euro im zweiten Studienabschnitt) sind für das Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften die normalen Studiengebühren von 363,36 Euro pro Semester zu entrichten. (DER STANDARD-Printausgabe. 3./4. 9.2005)

Von Karin Pollack

linzer.

rechtsstudien.at

  • Kein Gedrängel in überfüllten Hörsälen, keine Zeitprobleme beim Koordinieren mit dem Nebenjob und - vor allem - Professoren, die via E-Mail fast rund um die Uhr erreichbar sind.
    foto: photodisc

    Kein Gedrängel in überfüllten Hörsälen, keine Zeitprobleme beim Koordinieren mit dem Nebenjob und - vor allem - Professoren, die via E-Mail fast rund um die Uhr erreichbar sind.

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