Der Kleine Pyhrgas ist ein "Großer"

    31. August 2005, 20:57
    3 Postings

    Neben den Großen haben es die Kleinen schwer; das gilt auch für die meisten Berge. Eine anspruchsvolle Tour in den Haller Mauern

    Wer begnügt sich schon mit dem Kleinglockner, wenn daneben der Großglockner lockt? Der Große Priel findet natürlich wesentlich mehr Beachtung als der Kleine Priel. Es gibt aber auch Ausnahmen: Zwar ist der Große Pyhrgas die höchste Erhebung der Haller Mauern, sein benachbarter Kleiner Pyhrgas - in älteren Publikationen noch Pyhrgass geschrieben - lockt aber nicht weniger Besucher an als der um etwas mehr als zweihundert Meter höhere "Bruder".

    Zwar hat man vom Gipfel des Kleinen nicht die grandiose Rundsicht wie vom höchsten Punkt des Großen, der Anstieg zum Kleinen Pyhrgas aber erweist sich als wesentlich romantischer, weil man immer die mächtigen Felswände des höheren Namensvetters vor Augen hat und die meiste Zeit einen fantastischen Blick in das wild-urige Holzerkar genießt.

    Auch der benachbarte Scheiblingstein, den man erst ganz oben erblickt, zeigt sich von seiner attraktivsten Seite. Sehr beeindruckend auch der Blick in das Becken von Windischgarsten und zu Erhebungen des östlichen Toten Gebirges. Und wenn man erst einmal die Gowilalm hinter sich hat, steigt man durch Matten mit einer wahren Blumenpracht und Farbenfülle zur Höhe. Der steile Pfad, der mehrmals über felsige Stufen führt, hat durchaus alpinen Charakter. Zwar sind einige Stellen mit Seilen gesichert, man braucht aber trotzdem Trittsicherheit, um den Kleinen Pyhrgas zu erklimmen.

    Die Tour ist anstrengend, außerdem ist gutes Wetter Voraussetzung, denn bei Nässe kann die Route rutschig werden, auch steigt dann die Gefahr eines Steinschlages. Selbst bei geringer Schneelage ist von der Tour entschieden abzuraten. Die Ausrüstung hat den alpinen Verhältnissen gerecht zu werden, Halbschuhtouristen haben auf dem Kleinen Pyhrgas nichts verloren.

    Die Route: Vom Singerskogel-Stüberl - in der Nähe ein Parkplatz - steigt man auf der roten Markierung (teilweise auch über Forststraßen) in etwa 1½ Stunden zur Gowilalm an und gelangt dann über sanft-romantische Matten an den Fuß eines steilen, mit Felsen durchsetzten Hanges. Auf dem steinigen Hang gewinnt man rasch an Höhe, man braucht aber trotzdem 1¾ bis zwei Stunden zum Gipfelkreuz.

    Der Abstieg erfolgt bis zur Gowilalm auf der Anstiegsroute - wobei Vorsicht geboten ist -, dann wechselt man auf die nach Westen führende rote Markierung, um über die Holzeralm zum Ausgangspunkt abzusteigen. Gehzeit ab Gipfel 2¾ Stunden. (Der Standard, Printausgabe 27./28.8.2005)

    Bernd Orfer

    Gesamtgehzeit 6 bis 6¼ Stunden, Höhendifferenz rund 1100 m. Hütte auf der Gowilalm während der Saison durchgehend bewirtschaftet. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 99 (Rottenmann
    • Artikelbild
    Share if you care.