Weitere Details zum "Superchip" Cell veröffentlicht

26. November 2005, 17:03
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IBM-Sony-Toshiba-Konsortium will weitere Interessenten jenseits der PS3 anlocken

Die Sony Group, Toshiba und IBM haben technische Details zum Cell-Mikroprozessor veröffentlicht. Der Superchip mit dem Code-Namen Cell soll erstmals in der PlayStation3, deren Start für das Frühjahr 2006 anvisiert wird, eingesetzt werden. Cell ist ein sogenannter Multicore-Chip, also ein Mikroprozessor mit mehr als einem vollständigen Hauptprozessor. Cell hat einen 64-bit Prozessorkern und acht synergetische Prozessorkerne. Der Superchip soll ein technologischer Meilenstein sein, sagt das Konsortium. Es wird spekuliert, dass der Mikroprozessor alles vom Mobiltelefon bis zum Server betreiben könnte, berichtet der Branchendienst Cnet.

Multimedial

"Für den serienmäßigen Einsatz bei PCs gibt es bisher keine Pläne, Cell ist eher nicht als klassischer PC-Prozessor geeignet", sagt Hans Jürgen Rehm von IBM im Gespräch mit pressetext. Der Mikroprozessor sei vielmehr für den Einsatz im Multimedia-Bereich geeignet, so Rehm. Toshiba plant, den Cell-Prozessor bei HDTV- und Plasma-TV-Geräten einzusetzen.

Kooperativ

Sony, IBM und Toshiba arbeiten seit der Gründung des Konsortiums im März 2001 an der Entwicklung des Chips. Der Prozessor mit der Größe einer Briefmarke soll ermöglichen, dass mehrere Betriebssysteme, auch Linux, gleichzeitig auf einem Computer laufen. Das Dokument gibt auch Auskunft über die Kompatibilität mit Programmiersprachen wie C und C++, Binärschnittstellen (Application Binary Interface) und Assemblersprachen. Erste technische Spezifikationen zu dem Chip wurden im Februar dieses Jahres veröffentlicht. Der Cell-Mikroprozessor kann in einer Sekunde 250 Gigaflops, also 250 Mrd. einzelne Rechenschritte, ausführen. "Der Vergleich hinkt zwar, da Cell kein klassischer PC-Chip ist, aber die Leistung ist etwa acht bis zehn mal so groß wie bei einem Standard-PC-Prozessor", sagt Rehm.

Anwendungen

Die erste Computeranwendung auf Basis des Mikroprozessors soll eine DCC (Digital Content Creation)-Umgebung sein, an der Sony und IBM gemeinsam arbeiten. Mit den Workstations auf Cell-Basis sollen Plattformen für den DCC-Bereich auch in den Sparten Film und Videospiele möglich sein. Nach Angaben von Sony gibt es in der Unterhaltungsindustrie enorme Nachfrage nach hochleistungsfähigen DCC-Systemen, die riesige Flieskommarechnungen ermöglichen.

Begrenztes Interesse

Cnet berichtet, dass das Konsortium Schwierigkeiten hat, außerhalb des eigenen Einflussbereichs Interessenten für den Mikroprozessor zu finden. "Die Verhandlungen laufen und wir sind zuversichtlich, dass der Chip viele Abnehmer findet, sobald er am Markt ist", so Rehm. Im Juni dieses Jahres wurde der erste Vertrag mit einem Abnehmer, Mercury Computer Systems, abgeschlossen. Mercury entwickelt unter anderem Systeme für Ölförderungs-Unternehmen und plant, den Chip zur Darstellung geologischer Daten zu verwenden. (pte)

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