Wunschräume

13. Juli 2006, 17:15
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Mit den Traumwelten der Schaufenster beschäftigt sich ein gut gefüllter Schmöker namens "Forefront"

Es ist nur eine Scheibe aus Glas. Davor stehen Menschen, manche drücken sich die Nase platt. Dahinter werden Waren feilgeboten, mitunter wie Theaterstücke inszeniert. Die Schauspieler sind manchmal Puppen, das Stück handelt von Wünschen. Dazwischen flirren Gefühle. Sehnsucht, Begierde, einfach Habenwollen.

Bereits lange vor dem Einzug der Fernseher in die Wohnzimmer der Welt war das Schaufenster ein Medium für Träume, vor allem in den Einkaufstraßen der Metropolen. Das Schaufenster fungiert als eine Art Verpackung des Geschäfts, es ist ein stiller Verkäufer, der eine Beziehung zwischen Schauendem und Objekt schafft.

Ein kürzlich im Birkhäuser Verlag erschienenes Buch widmet sich der Bühne Schaufenster, nachgespürt wird darin den Inszenierungen hinter Glas auf der ganzen Welt. Zahlreiche Autoren beschreiben Details oder ganze Schaufensterfassaden und schauten bei Häusern wie Louis Vuitton, Hermès, Gucci und vielen anderen vorbei. Aber beäugt und beschrieben wurden keineswegs nur Luxustempel, die sich die Inszenierung ihrer Kollektionen eine Stange Geld kosten lassen. Auf den über 200 Hochglanzseiten gibt's auch Rückblicke in die Vergangenheit, Einblicke in einige Schaufenster der ehemaligen Ostblockstaaten, und selbst der Aggressionsakt des Schaufenstereinschlagens wird in der Publikation thematisiert. Textlich wird vor allem jenen Geschichten nachgegangen, die Dekorateure immer klüger inszenieren, um in den Passanten schlummernde Wünsche direkt beim Schlawittel zu packen.

Grafikdesigner Thomas Buxó hat das Buch gestaltet und die Seiten bezüglich der Texte im Stil einer Tageszeitung gehalten. Der Rest ist pralle und bunte Hochglanzoptik. Auch dieser Zugang zeigt passend die oftmalige Widersprüchlichkeit zwischen dem, was vor, und dem, was hinter der Scheibe liegt, an der zumindest Stadtmenschen längst nicht mehr vorbeikommen. (maik/Der Standard/rondo/26/08/2005)

Shonquis Moreno et.al.:
Forefront - The Culture of Shop Window Design
Birkhäuser Verlag in Kooperation mit Frame Publishers Amsterdam 2005
€ 67
ISBN- 3-7643-7192-7
in englischer Sprache
  • Eine gefräßige Anspielung auf das Thema "fashion victim"soll die auslage sein, die JoAnn Tan für Moschino ersann.
    foto: cover/birkhäuser verlag

    Eine gefräßige Anspielung auf das Thema "fashion victim"soll die auslage sein, die JoAnn Tan für Moschino ersann.

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